Dopingrekorde : "Keine Bestmarken für die Ewigkeit"

Noch vor einem Jahr sah der Deutsche Leichtathletik-Verband keine Rechtsgrundlage, um eine Löschung von Dopingrekorden zu veranlassen. Sportrechtsexperten widersprechen nun mit einem neuen Gutachten.

Köln/Hamburg - Die Streichung dieser Rekorde sei möglich, meinen die Stuttgarter Sportrechtsexperten Christoph Wüterich und Marius Breucker nach einem Bericht des Deutschlandfunks (Köln). Der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard Pound, schloss sich dieser Auffassung an. Doping-Rekorde seien Sportbetrug und dürften "keinen Bestand haben, wenn es Beweise gibt", sagte der Kanadier dem Kölner Rundfunksender. Die meisten internationalen Verbände würden inzwischen der Auffassung zustimmen, "dass bei Dopingnachweis auch Rekorde gestrichen werden sollten".

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte vor einem Jahr keine rechtliche Grundlage zur "rückwirkenden individuellen Abererkennung aller nachweislich mit Doping-Unterstützung aufgestellten Bestmarken gegen den Willen der Athleten" gesehen. "Eine Löschung solcher Rekorde ist aus juristischen Gründen nicht möglich", heißt es seither in der Präambel zur offiziellen DLV- Rekordliste.

Leichtathletik: Fünf fragwürdige Weltrekorde von DDR-Sportlern Die Expertise von Wüterich und Breucker, die dem Deutschlandfunk vorliegt, belegt dagegen auf 32 Seiten die "Zulässigkeit der Streichung von Rekorden wegen Verstößen von Athleten gegen Doping- Verbote". Sie basiert auf den in den 80er Jahren gültigen Wettkampfregeln des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Aus dem generellen Dopingverbot und der Vorschrift, dass Rekorde bei "regelkonform durchgeführten" Wettkämpfen aufgestellt werden mussten, leiten die Juristen die Möglichkeit von Rekordstreichungen ab.

Allein in der Leichtathletik gibt es fünf Weltrekorde von DDR-Sportlern aus den 80er Jahren, die als Bestmarken "für die Ewigkeit" gelten. Am kommenden Freitag befasst sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf der Tagung der Spitzenverbände in Hamburg mit dem Thema "Löschung von Doping-Rekorden". (tso/dpa)

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