Sport : Dopingskandal: Australiens Schwimmsport erschüttert

Ein Dopingskandal um den aus Russland stammenden Meistertrainer Gennadi Turetski erschüttert Australiens Schwimmsport. Der für den australischen Verband arbeitende Trainer wurde am Dienstag wegen angeblichen Besitzes von anabolen Steroiden suspendiert. Damit ist der Ruf der australischen Schwimmer erheblich beschädigt worden. "Das ist wirklich eine Tragödie", sagte Forbes Carlile, der 1972 Shane Gould bei ihren drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in München trainiert hatte: "Im Ausland werden damit sogar die Vorstellungen von Ian Thorpe zweifelhaft, obwohl das lächerlich ist." Selbst Premierminister John Howard sah sich veranlasst, in die Debatte einzugreifen. Der Regierungschef versicherte, sein Land werde Dopingsünder weiterhin mit aller Strenge verfolgen.

Der Exekutiv-Direktor der zuständigen Australischen Sport-Kommission (ASC), Mark Peters, gab bekannt, dass Turetski vorerst von seinem Posten als Trainer am Australischen Sportinstitut (AIS) in der Hauptstadt Canberra suspendiert worden ist. Der 51-jährige Schwimmlehrer wurde außerdem aus dem australischen Trainerstab für die Weltmeisterschaft in Fukuoka entfernt.

Turetski muss sich am Donnerstag vor einem Gericht wegen Besitzes einer "kleinen Menge" Steroide verantworten, sagte Peters. Gerüchten nach soll es sich dabei um das vergleichsweise altmodische und leicht nachweisbare Stanozolol handeln, das 1988 dem kanadischen Sprinter Ben Johnson zum Verhängnis geworden war. Die geschäftsführende Chefin des australischen Schwimmverbandes, Vena Murray, sagte, "der Besitz einer solchen Substanz macht keinen Sinn". Nach bisher nicht bestätigten Meldungen ist der Drogenfund möglicherweise im Zusammenhang mit dem Diebstahl von Medaillen seiner Schwimmer aus Turetskis Privatsafe gemacht worden. Der Safe war wenige Tage nach dem Diebstahl von der Polizei entdeckt worden.

Turetski lebt seit Ende 1992 in Australien und gilt als einer der besten und erfolgreichsten Schwimmtrainer der Welt. Sein ebenfalls in Canberra lebender Landsmann Alexander Popow wurde unter seiner Leitung zu einem der besten Schwimmer aller Zeiten und hatte sowohl 1992 als auch 1996 bei den Olympischen Spielen das Sprint-Double mit Gold über 50 und 100 Meter Freistil geholt. Von seinen australischen Schwimmern ist Michael Klim am bekanntesten. Klim gewann 1998 sieben Medaillen bei der Weltmeisterschaft in Perth und gehörte auch zur siegreichen 4 x 100-m-Freistilstaffel bei den Spielen in Sydney im vergangenen Jahr. Klim und Popow äußerten sich nicht.

Turetski war schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. 1995 verbrachte er einen Monat in einem Gefängnis auf Hawaii, nachdem er in einem Flugzeug randaliert hatte. Er war darauf von seinem Posten als Cheftrainer des AIS entbunden worden.

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