Sport : Dopingskandal in Australien: Optimismus nach 47 negativen Tests

Entsetzen und Angst vor Imageschäden haben sich einen Tag nach der Meldung vom Dopingfund bei Schwimm-Erfolgstrainer Gennadi Turetski breit gemacht. "Unabhängig von der weiteren Aufklärung ist die Meldung an sich schon ein Schaden für den Schwimmsport. Bewerten will ich den Vorgang aber nicht, dazu muss man die Einzelheiten kennen", sagte der deutsche Cheftrainer Ralf Beckmann. "Gennadi hat sowas nicht nötig. Ein Versuch, mit Stanozolol zu dopen, wäre schon sehr kühn. Ich gehe von einer harmlosen Erklärung aus."

Am Mittwoch äußerte sich Turetski in der Moskauer Tageszeitung "Daily Express": "Ich glaube, dass keine sensible Person ernsthaft Zweifel daran haben kann, dass meine Athleten sauber sind. Die Gleichmäßigkeit ihrer Leistungen über einen so langen Zeitraum spricht für sich. Sie sind außerdem stets getestet worden."

Die Olympiasieger Alexander Popow und Michael Klim stellten sich hinter Turetski. "Ich hatte eine private und berufliche Beziehung zu Gennadi und nie einen Grund, an seiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln", sagte Popow, der unter Turetski 1992 und 1996 jeweils Gold über 50 und 100 m Freistil gewonnen hatte. "Es ist eine schwere Zeit für Gennadi, aber ich bin zuversichtlich, dass ich auch in Zukunft mit ihm arbeiten kann." Popow hatte wie seine Kollegen am Australian Institut of Sport in Canberra (AIS), darunter auch Klim, am Mittwoch auf das Training verzichtet. "Ich war schockiert", sagte Klim bei einer Pressekonferenz in Anwesenheit von 18 Schwimmern, die mit ihm und Popow trainieren.

Gennadi Turetski war 1992 nach seinen Erfolgen in Barcelona von Russland nach Australien ausgewandert und hatte vier Jahre später die australische Staatsbürgerschaft erhalten. Die anabolen Steroide waren in seinem Privatsafe gefunden worden. Der Safe war dem Coach Anfang des Monats aus seinem Haus gestohlen und kurze Zeit später in einem See entdeckt worden. Der 51-Jährige war nach Bekanntwerden des Dopingfundes bis auf weiteres von seinem Amt im AIS suspendiert und aus dem Trainerkader für die Weltmeisterschaften im Juli im japanischen Fukuoka gestrichen worden. Ihm droht im Falle einer Verurteilung vor dem Zivilgericht eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten.

Klim und John Mendoza, der Chef der australischen Anti-Doping-Agentur, bezweifeln, dass es so weit kommt. Klim sagte, er sei in seiner Karriere 47-Mal getestet worden, immer negativ. Mendoza führte an, dass die im AIS trainierenden Schwimmer seit Olympia in Sydney 60 Dopingtests abgeliefert hätten. Auch diese seinen alle negativ gewesen.

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