Sport : Dopingskandal in Finnland: "Gott wollte es so"

Finnlands Langläufer tun sich schwer mit dem größten Dopingskandal des nordischen Skisports. Nach der Bestätigung von sechs positiven Dopingproben bei den Weltmeisterschaften in Lahti hat jetzt erstmals ein finnischer Spitzenläufer auch die Einnahme des verbotenen Ausdauermittels Epo zugegeben. Der inzwischen vom aktiven Sport zurückgetretene Sami Heiskanen berichtete im Fernsehen, er habe in seiner besten Saison 1996/97 Epo eingenommen. Seine Leistungsfähigkeit habe sich dadurch "dramatisch verbessert", gab Heiskanen an, der damals überraschend die jetzt selbst wegen Dopings gesperrten Idole Myka Myllylä und Harri Kirvesniemi schlagen konnte. Myllylä, der als Olympiasieger und vierfacher Weltmeister seinen Ruf mit dem Doping in Lahti ruiniert hat, sorgte mit einer tränenreichen Rücktrittserklärung und der "Bitte um Vergebung" an die Bevölkerung seines Landes für den zweiten Donnerschlag der Wochenmitte beim finnischen Doping-Albtraum. Die Zeitungen druckten in voller Länge ab, was der 31-Jährige mit Pathos als "Testament" aus seiner Millionärsvilla in Haapajärviu verbreiten ließ. Dass er beim Doping mit HES zur Verschleierung der ebenso verbotenen Einnahme von Epo erwischt worden war, umschrieb Myllylä mit den Worten: "Ich bin von tiefer Trauer erfüllt. Mein Herz zerspringt, mein Schmerz lässt sich nicht in Worte fassen." Er bedürfe nun "mehr denn je der Hilfe", verkündete Myllylä und nahm die frühere Ankündigung eines Comebacks nach Ablauf seiner zweijährigen Sperre zurück. Sehr viel vager fiel dagegen die Wortwahl des Finnen bei der Schilderung der Verantwortlichkeit für den Dopingmissbrauch aus. Myllylä erklärte lediglich, er hätte besser wissen müssen, dass HES per Test zu ermitteln war. Damit setzte er die vom entlassenen Cheftrainer Kari-Pekka Kyrö vorgezeichnete Linie fort, der sich bei seinem öffentlichen Schuldeingeständnis für bewusstes Doping unter Finnlands besten Läufern immer wieder "amateurhaftes" Verhalten zum Vorwurf machte, nicht aber die Regelverletzungen an sich. Myllylä verstieg sich in seinem "Testament an Finnlands Volk" zu dem Satz: "Ich glaube, Gott wollte, dass alles so für mich geschehen würde."

Wie das unter den Läufern mit ihrem Cheftrainer und zwei beteiligten Ärzten abgelaufen sein könnte, schilderte der nie erwischte Epo-Doper Heiskanen. Er habe das Mittel im estnischen Tallinn gekauft und die Anwendung auch nicht mit Kyrö diskutiert, der damals sein Trainer in der B-Mannschaft Finnlands war. "Wir haben in der Mannschaft locker unsere Scherze darüber gemacht, dass Doping der einzige Weg zum Erfolg ist", berichtete Heiskanen. Der Generalsekretär des Verbandes, Esa Klinga, verkündete seinen Rücktritt, nachdem Sportministerin Suvi Linden einen Wechsel an der Verbandsspitze gefordert hatte.

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