Doppel-Interview : „Unsere Trainer sehen das gar nicht so gern“

Maria Riesch und Lindsey Vonn sind die besten Freundinnen. Aber auf der Piste sind sie die größten Konkurrentinnen im Skizirkus. Ein Doppelinterview.

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Freundinnen. Lindsey Vonn (links), Maria Riesch.Foto: dpa

Sie sind die Superstars der alpinen Ski-Frauen und die besten Freundinnen. In ihrem ersten Doppelinterview sprechen die US-Amerikanerin Lindsey Vonn und Maria Riesch aus Garmisch-Partenkirchen über ihre Beziehung zueinander, ihr Dauer-Duell auf den Pisten und das gemeinsame Weihnachtsfest.

Frau Riesch, Frau Vonn, Sie sind die größten Konkurrentinnen im Skizirkus – trotzdem auch die besten Freundinnen. Wie funktioniert das?

RIESCH: Wie waren schon befreundet, bevor wir beide so gut waren. Wir haben uns schon von jungen Jahren an gut verstanden und sind dann gemeinsam aufgestiegen. Konkurrenz war nie ein Problem. Klar ist der Sport wichtig, aber unsere Freundschaft steht irgendwo über dem ganzen Sport.

VONN: Bei anderen geht das wahrscheinlich nicht, nur bei uns.

Wann ist diese Freundschaft entstanden?

RIESCH: Bei der ersten Junioren-WM 2000 in Quebec haben wir uns richtig kennen gelernt ...

VONN: ... und später hat mich Maria gefragt, ob sie mich mal besuchen kann. Wir haben alles zusammen gemacht bei mir zu Hause in Minneapolis, sie war bei meiner Familie, wir waren auch in Chicago.

Nun haben Sie beide Erfolg. Wäre es schwieriger, diese Freundschaft zu erhalten, wenn eine in der Karriere davongezogen wäre?

VONN: Glaube ich nicht.

RIESCH: Es ist sicher besser, wenn man zusammen da oben am Berg ist und wenn man den Zweikampf hat.

VONN: Wir sind eigentlich immer zusammen bei den Rennen. Bei Startnummernauslosungen, Siegerehrungen, oft sogar auf dem Podest. Eigentlich immer. Das passt gut.

Frau Riesch, Sie haben der Freundin schon die Favoritenrolle zugeschoben im Kampf um den Gesamtweltcup. Hat sich daran nach Ihrem Slalom-Sieg in La Molina etwas geändert?

RIESCH: Man sieht schon, dass sich schnell wieder was ändern kann. Aber wenn sie dieses Tempo so durchzieht, wird es sehr schwierig werden gegen sie. Ich versuche natürlich, dran zu bleiben.

VONN: Maria kann mich sicher schlagen, das habe ich immer gesagt. Sie ist meine große Konkurrentin. Aber wir sehen das anders: Wir kämpfen alleine, aber im Ziel sind wir auch glücklich, wenn die andere gewonnen hat. Das gilt genauso für den Gesamtweltcup oder jeden Disziplinen-Titel. Ich bin auch glücklich, wenn sie mich schlagen kann – und umgekehrt. Das ist uns lieber, als wenn jede andere gewinnt.

RIESCH: Natürlich ist es schon so: Sie will gewinnen, ich will gewinnen. Am liebsten wäre es uns, wenn wir alles immer gleichzeitig schaffen könnten, am besten auch den Gesamtweltcup mit gleicher Punktzahl gewinnen. Oder mal ein Weltcup-Rennen mit gleicher Zeit. Vielleicht schaffen wir das hier in St. Moritz.

Wo hat die jeweils andere noch die Nase vorn, wo kann man sich noch etwas abschauen?

VONN: Sie fährt momentan besser Super-G als ich ...

RIESCH: ... wie willst du das wissen?

VONN: Weil du den Weltcup gewonnen hast im letzten Jahr.

RIESCH: Das ist aber einige Monate her.

VONN: Vielleicht ist Maria im Slalom und Super-G ein bisschen besser, ich in Abfahrt und Riesenslalom. Aber insgesamt ist da kein großer Unterschied. Wir waren in diesem Winter drei Mal auf dem Podest, immer zusammen.

RIESCH: In der Abfahrt ist Lindsey einfach eine Klasse für sich. Ich weiß noch genau – das letzte Rennen hier in St. Moritz, sie ist ungefähr drei Mal fast ausgeschieden und war trotzdem unglaublich schnell. Sie ist einfach so sicher und kann auf den Punkt brutal ihre Leistung abrufen. Ich dagegen habe letzten Winter auch manchmal Nerven gezeigt und bin drei Mal ausgeschieden. So was passiert ihr eben nie, sie fährt das locker ins Ziel.

Geht die Freundschaft auch so weit, dass man sich vor den Rennen Tipps gibt, oder ist der Spaß dann vorbei?

RIESCH: Wir haben kein Problem, uns gegenseitig zu helfen. Wenn ich sie mal was frage bei einer Abfahrt, wie die Linie zu fahren ist – sie sagt mir das. Und andersrum genauso. Der Spaß hört da auf, dass man nicht für die andere bremst. Dass ich langsamer fahre, damit die andere auch eine Chance hat. Das wäre Schmarrn.

VONN: Zum Beispiel letztes Jahr in Crans Montana, da haben wir auch die neue Abfahrt besprochen. Das ist ganz normal für uns. Wir haben auch schon zusammen die neue WM-Strecke in Val d’Isere getestet.

RIESCH: Es ist ja manchmal so, dass es die Trainer gar nicht so gerne sehen, wenn wir ständig zusammenhängen bei der Besichtigung oder beim Training. Die Trainer haben die größere Rivalität als wir, da schaut schon mal einer ein bisschen komisch. Aber das ist uns egal.

Auch Weihnachten verbringen Sie seit vielen Jahren bei Maria Riesch und ihrer Familie in Garmisch-Partenkirchen.

VONN: Das ist meine zweite Familie. Marias Mutter und alle sind wahnsinnig nett. Ich darf ihr an Weihnachten immer meine Wäsche zum Waschen mitbringen, das ist für mich sehr wichtig (lacht). Ich war die letzten vier Jahre an Weihnachten nicht mehr zu Hause bei meiner Mutter, weil ich das zeitlich zwischen den Rennen gar nicht schaffe, deshalb ist die Familie Riesch sehr wichtig für mich.

Sie haben vor Jahren den Kontakt zu Ihrem strengen Vater abgebrochen. Sie sagten einmal, er wollte in Ihrer Jugend eine Anna Kournikowa des Skisports aus Ihnen machen, worunter Sie zu leiden hatten.

VONN: Das stimmt. Aber darüber will ich nicht mehr reden.

Gut, reden wir über Weihnachten. Wie läuft das Fest in der Familie Riesch ab?

RIESCH: Ganz klassisch. Wir gehen am Nachmittag auf den Friedhof, dann gibt’s daheim Essen. Käse-Raclette mit Kartoffeln und Schrimps und allem, was dazu gehört. Dann gibt’s die Bescherung.

Schenken Sie sich auch gegenseitig etwas? St. Moritz wäre doch der ideale Ort zum Shoppen.

VONN: Ein bisschen zu teuer vielleicht.

RIESCH: Geschenke gehören dazu. Lindsey hatte im letzten Jahr eine Super-Idee und hat mir eine Spielekonsole geschenkt, die ich mir sowieso kaufen wollte. Sie hat von mir ein Buch und eine CD mit Hip-Hop-Musik bekommen. Sonst gibt’s halt Parfüms. Frauensachen eben.

Das Gespräch führte Jörg Köhle.

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