DOPPELPASS Österreich vs. Schweiz : Die alte italienische Macho-Schule

Hallo Marco,

mir ist noch etwas schwindelig von der Vorstellung der Russen gegen die Niederlande. War ja wirklich ein ziemliches Feuerwerk, das sie da abgebrannt haben in Basel – vor allem in der Verlängerung. Und wie viel sie gelaufen sind! Mit Semak, Schirkow und Syrjanow haben gleich drei russische Spieler während der 120 Minuten jeweils über 14 Kilometer zurückgelegt. Schwindelig geworden ist mir auch bei einer Aussage des gesperrten Gennaro Gattuso im Vorfeld der Partie Spanien gegen Italien. Gattuso soll gesagt haben, er sei mit Hochzeiten zwischen Schwulen nicht einverstanden. Wer an die Familie glaube, könne das nicht gutheißen. Klingt nach klassischer italienischer Macho-Schule. Es ist schon erstaunlich, dass sich Fußballer immer wieder genötigt sehen, die Gleichberechtigung von Homosexuellen in Frage zu stellen. Andererseits halt nur ein Abbild dessen, wie eine Sportart kein Mittel findet, dieses Tabuthema endlich aufzuarbeiten. Fragwürdig in diesem Kontext ist aber auch die Rolle der Medien: Denn warum tauchen solche verbalen Ausrutscher gerade vor einem so wichtigen Match auf? Komisch auch, weil Gattuso bisher nicht unbedingt als Schwulenfeind in Erscheinung getreten ist. Vor einiger Zeit hat er noch gesagt, er kenne Schwule, die auf dem Platz einen unglaublichen Einsatz bringen.

In Wien ist unterdessen der Hochsommer eingezogen. „Zu viel Hitze“, wie der gute alte Falco sagen würde. Die russischen Fans werden die Temperaturen jenseits der 30 Grad besser wegstecken als die holländische Plüscharmee in ihren Kostümen. Heiß hergegangen ist es auch am Freitag nach dem dramatischen Elfer-Sieg der Türkei über Kroatien. Die befürchteten schweren Ausschreitungen sind aber ausgeblieben – trotz einiger Scharmützel auf der Fanmeile. In der Freitagsbilanz der Wiener Exekutive scheinen 51 Straftaten auf, 42 davon betreffen Eigentumsdelikte. Kein großer Bahö, kein großer Wirbel also, und das ist gut so.

Schöne Grüße aus Wien,

Reinhard

Marco Durisch (Schweizer Fußballmagazin „Zwölf“) und Reinhard Krennhuber (Österreichs Fußballmagazin „Ballesterer“) stehen hier im Briefwechsel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar