Doppelpass : Sie haben Post - aus der Schweiz

Marco Durisch (Schweizer Fußballmagazin „Zwölf“) und Reinhard Krennhuber (Österreichs Fußballmagazin „Ballesterer“) stehen hier im Briefwechsel. Marco wundert sich noch immer über die absurde Eröffnungsfeier der EM.

Schweiz
Gruezi. Heute schreiben die Schweizer aus Bern.Foto: Tsp

Hallo Reinhard,

wie sich die Bilder gleichen. Nachdem wir schon am Samstag Fortuna nicht auf unserer Seite hatten, erging es Euch am Sonntag gleich. Gegen die kroatischen Betonmischer war einfach nichts auszurichten. Wie ist denn die Stimmung in der Republik? Hier - und dazu gehört auch das Tessin - herrscht doppelte helvetische Tristesse nach dem glücklosen Auftaktspiel vom Samstag. Wegen der Niederlage gegen ein bescheidenes tschechisches Team natürlich, aber mehr noch wegen der Verletzung von Alex Frei.
 
Frei vergoss beim Verlassen des Spielfeldes bittere Tränen. Beni Turnherr, die etwas biederere und mittlerweile in die Jahre gekommene Schweizer Version von Gerhard Delling, analysierte die Situation auf seine Art: "Auch ein Kaugummi kann Frei jetzt nicht mehr glücklich machen." Auch wenn ich mich frage, wer jetzt die Tore schießen soll, lässt die Leistung der Schweiz durchaus Hoffnung für Mittwoch. Und schliesslich hat auch Portugal vor vier Jahren als Gastgeber das Eröffnungsspiel verloren und es dann bis ins Finale geschafft.

Apropos Eröffnung, hast du die Eröffnungsfeier gesehen? Das war ja sonderbar. Zuerst rannten Menschen in Schlafsäcken und Pappkartons über dem Kopf übers Feld. Sah aus wie eine gross angelegte Werbeaktion für einen Paketdienst. Und anschliessend wurden Klischeevorstellung der Schweiz und Österreich bedient: Skifahren, Kuhmelken und Walzertanzen. Habe nur darauf gewartet, dass mit Mozartkugeln in einem überdimensionalen Fondue-Caquelon gerührt wird. Das blieb uns erspart.

So, ich muss los! Bin heute noch im schmucken Letzigrund in Zürich zugegen, um mir mit Rumänien einen der 8 Geheimfavoriten anzuschauen. Bin gespannt, ob die architektonisch raffiniert löchrig gehaltene Stadionumzäunung, durch die auch grössere Gegenstände passen, für die EM gedichtet wurde, oder ob ein enger Ring von Security-Angestellten um das ganze Stadion gelegt wird. Habe mir zudem vorgenommen, mich - nur zu Recherchezwecken natürlich - durch das kulinarische Angebot zu kämpfen und auch die Fanmeile werde ich diesbezüglich unter die Lupe nehmen. 4,50 Euro für ein Krügerl sind oarg! Die Preise hier werden das Bier vermutlich auch nicht besser schmecken lassen. Mehr dazu im nächsten Brief.
 
Grüße aus Bern
Marco
 
Marco Durisch (Schweizer Fanmagazin „Zwölf“) und Reinhard Krennhuber (Österreichs Fanmagazin „Ballesterer“) stehen hier im Briefwechsel.

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