Doppelpass : Sie haben Post - aus Österreich

Das Ausscheiden hat auch positive Seiten, findet Reinhard Krennhuber (Österreichs Fußballmagazin „Ballesterer“), der mit Marco Durisch (Schweizer Fußballmagazin „Zwölf“) im Briefwechsel steht.

Österreich
Briefwechsel. Hier schreiben unsere Autoren aus Österreich und der Schweiz.Grafik: Tsp

Hallo Marco,

Wien ist zur Normalität zurückgekehrt, was auch seine positiven Seiten hat. Das Turnier-Feeling ist zwar nach wie vor vorhanden, und am Freitag wird nicht nur im „Melting Pot“ Ottakring die Post abgehen, wenn sich Kroatien und Polen im Prater matchen. Der Jubelpatriotismus der vergangenen Tage ist aber weitgehend verschwunden.

„Standard“-Kolumnist Hans Rauscher hat unterdessen den vermeintlichen Grund für die Niederlage gegen Deutschland herausgefunden: die nachdrückliche Forderung des Boulevard nach einer Sensation, die sich bei Ivanschitz und den anderen in Versagensängsten niedergeschlagen hat. Rauscher führt aus, dass der österreichische Mensch unter Druck kopfscheu werde und seine besten Leistungen quasi nebenher und nicht unter dem Getöse öffentlicher Ankündigungen erbringe. So sei es bei jüngsten Erfolgen österreichischer Literaten gewesen und auch bei der wirtschaftlichen Expansion heimischer Betriebe im mittel- und osteuropäischen Raum.

Einziger, aber gravierender Makel dieser Argumentation: Auf eine Fußball-EM lässt sie sich nur sehr schwer anwenden, auch wenn sich wichtige Protagonisten wie Teamchef Josef Hickersberger alle Mühe gegeben haben, die nationale Aufregung nicht noch zusätzlich anzuheizen. Hickersberger hat am Dienstag übrigens seine letzte Fernsehpressekonferenz zur Lage der Nation(almannschaft) gegeben.

Wie es ausschaut, wird "Hicke" weitermachen und sich in der anstehenden WM-Quali neben Frankreich, Rumänien und Serbien auch seinem persönlichen Färöer-Trauma stellen. Die Reaktionen darauf sind mehrheitlich negativ. Aber auch die Skeptiker müssen zugeben, dass sich keine österreichischen Alternativen aufdrängen. Und für einen internationalen Topmann, wie ihn sich die Schweiz mit Ottmar Hitzfeld geangelt hat, fehlt dem ÖFB der Mut. Wenn es dann wieder einmal nicht klappt mit dem Erfolg, können wir es ja wieder auf die Versagensängste schieben.

Ciao aus Wien,
Reinhard

Marco Durisch (Schweizer Fußballmagazin„Zwölf“) und Reinhard Krennhuber (Österreichs Fußballmagazin „Ballesterer“) stehen hier im Briefwechsel.


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