Sport : Doppelt führt besser

S. Hermanns,F. Teuffel

über den Trend zur Zweisamkeit Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Doppelspitzen: Fix und Foxi, Lennon und McCartney, Siegfried und Roy, das doppelte Lottchen, Marx und Engels. Selbst die letzten Bollwerke des Traditionalismus, die sich dem Trend zur Zweisamkeit noch widersetzt haben, sind jetzt gefallen: erst die SPD, nun der Deutsche Fußball- Bund. Bei den Sozialdemokraten hat Gerhard Schröder seine Macht mit Franz Müntefering geteilt, beim DFB Gerhard Mayer-Vorfelder mit Theo Zwanziger.

Den DFB hat das Modell offenbar derart überzeugt, dass er seine Führungsstellen nun alle doppelt besetzt. Die Nationalmannschaft wird demnächst von Jürgen Klinsmann (Teamchef) und Oliver Bierhoff (Teammanager) betreut. Die haben zusammen sogar mehr Länderspiele bestritten als Lothar Matthäus, der den Chefposten für sich allein haben wollte.

Die generellen Vorzüge des Modells sind ohnehin schon lange bekannt: Der Volksmund sagt, dass vier Augen mehr sehen als zwei, dass doppelt besser hält und geteiltes Leid halbes Leid ist. Angesichts des Zustands der Nationalmannschaft ist das eine tröstliche Vorstellung. Aber auch die moderne Wirtschaftslehre kennt das Phänomen. Teamfähigkeit gilt längst als Schlüsselkompetenz. Von den Auswirkungen der Doppelspitzen auf den Arbeitsmarkt ganz zu schweigen: Wenn jede Stelle doppelt besetzt würde, gäbe es in Deutschland keine Arbeitslosigkeit mehr.

Ganz nebenbei wird durch die aktuelle Entwicklung auch der Alltagsphilosoph Berti Vogts rehabilitiert. Der hatte schon vor Jahren gefordert: „Wir müssen in der Spitze breiter werden.“

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