Sport : Doppelt hält noch

DFB-Spitze will sich trotz Kritik bis zur WM retten

André Görke

Berlin - Eben hatte sich Franz Beckenbauer noch über die vielen Fußball-Kurzfilme bei der Berlinale gefreut, doch als das Wort „Doppelspitze“ fiel, war es vorbei mit seiner guten Laune. Auf die Führungskrise im Deutschen Fußball-Bund angesprochen, redete sich der Chef des Organisationskomitees der WM 2006 in Rage. „Möglicherweise war die Doppelspitze ein Fehler“, sagte Beckenbauer zum Streit um die Machtverteilung zwischen den beiden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Gerhard Mayer-Vorfelder. „Sie funktioniert nicht, sie kann nicht funktionieren.“ Vor allem Mayer-Vorfelder steht nach seinen Äußerungen zum Manipulationsskandal in der Kritik.

Theo Zwanziger will dennoch „alles dafür tun, dass die Doppelspitze bis zur WM 2006 hält“, sagte er der „FAZ“. Allerdings forderte er bei seinem Kollegen Mayer-Vorfelder eine klare Aufgabenteilung ein. „Es fällt ihm nicht leicht, sich zurückzunehmen“, sagte Zwanziger. „Ohne dass ich ihn entmachten will, MV muss auch mal loslassen können.“

Franz Beckenbauer glaubt nicht, dass dies geschehen wird. „MV ist gewählt, mit diesem Kompromiss müssen wir fertig werden.“ Einen Rücktritt hat Mayer-Vorfelder bereits mehrfach ausgeschlossen, somit bliebe nur noch die Einberufung einer außerordentlichen DFB-Vollversammlung, um den 71-Jährigen zu entmachten. Das allerdings scheint so kurz vor der WM schwer vorstellbar – wenn auch nicht mehr ausgeschlossen. Bei einer Präsidiumssitzung am Sonntag soll es sogar fast zu einem Misstrauensvotum gegen Mayer-Vorfelder gekommen sein. Beckenbauer wünschte sich deshalb nichts mehr als „das normale Tagesgeschäft. Wir vergeuden alle viel zu viel Kraft in diesen Tagen.“

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