Sport : Doppelt siegt besser

Ob im Kajak oder im Canadier: In den deutschen Booten finden erfolgreiche Paare zusammen. So erfolgreich, dass gleich zwei Zweierteams nacheinander GOLDMEDAILLEN erpaddelten.

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Kuss nach dem Schluss. Kurt Kuschela (hinten) belohnt Peter Kretschmer nach der Goldfahrt. Foto: Reuters
Kuss nach dem Schluss. Kurt Kuschela (hinten) belohnt Peter Kretschmer nach der Goldfahrt. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Hier haben sich zwei gefunden. Erst waren Kurt Kuschela und Peter Kretschmer nur eine schnelle Fahrgemeinschaft auf dem Wasser, aber nachdem sie so lange hintereinander gekniet haben, ist mehr daraus geworden. Sportlich gesehen das Größte, was sich erreichen lässt, und zum Persönlichen später. In ihrem Canadier wurden Kuschela und Kretschmer am Donnerstag Olympiasieger. Zu zweit gelang den deutschen Kanufahrern am Donnerstag ohnehin alles. Auch der Zweier-Kajak mit Tina Dietze und Franziska Weber gewann die Goldmedaille. Der Vierer-Kajak der Männer kam als Vierter ins Ziel.

Der Deutsche Kanu-Verband braucht keine Paartherapie, so viel steht fest, er kann eher noch sportliche Paarberatung anbieten, vor allem der 23 Jahre alte Feuerwehrmann Kuschela und der 20 Jahre alte Bundespolizist Kretschmer. „Wir waren vier Monate fast rund um die Uhr zusammen. In einer Ehe geht man zwischendurch zur Arbeit, bei uns ging das nicht“, erzählte Kretschmer. Er kommt eigentlich aus Schwerin, Kuschela aus Berlin, inzwischen sind die beiden aber auch Nachbarn, sie wohnen im selben Block in Potsdam-West, und ihr gemeinsamer Tag beginnt schon nach dem Frühstück, wenn sie sich zum Paddeln treffen. Mittags essen sie zusammen, abends gehen sie schon mal zusammen ins Kino. Eine Freundin hätten sie beide gerade nicht, „aber wenn wir jetzt mit so viel Euphorie im Körper einen Heiratsantrag annehmen würden, wäre das auch nicht gut“, sagte Kretschmer.

„Wir haben uns zwischendurch auch richtig gezankt“, sagte Kuschela und lachte, „ich bin mehr der Ruhige und Kretsche der, der richtig ausrastet.“ Auf dem Wasser aber fanden sie im olympischen Finale genau zum richtigen Zeitpunkt das richtige Tempo.

Am Start seien sie noch sehr nervös gewesen. „Peter hat zu mir gesagt, er sei vor einem Rennen noch nie so aufgeregt gewesen, nicht Peter?“, sagte Kuschela und schaute seinen Partner an. Es wurde auch kein Start-Ziel-Sieg, sondern ein taktisches Rennen mit einer Tempoverschärfung im richtigen Augenblick. „250 Meter vor dem Ziel haben wir den Turbo angeworfen“, sagte Kuschela. Als wenn sie einen Mann mehr im Boot hätten, fuhren sie immer näher an die anderen heran. Ihre Gegner haben sie damit offenbar ganz schön eingeschüchtert. „Wenn die sehen, dass da eine andere Bootsspitze so herangeflogen kommt, ist das gar nicht gut für den Kopf“, sagte Kretschmer.

Den Endspurt entschieden sie klar für sich, hinter ihnen kamen Andrej und Alexander Badanowitsch ins Ziel. Neben den Brüdern aus Weißrussland wirkten Kuschela und Kretschmer bei der Siegerehrung fast wie Leichtgewichtspaddler. Die Maße der Konkurrenten sind Kretschmer jedenfalls bestens bekannt. „Der eine ist 1,97 groß und wiegt 100 Kilo, der andere ist 1,95 und wiegt 95 Kilo.“ Kretschmer dagegen wiegt nur 69 Kilo bei einer Größe von 1,76, Kuschela ist auch nur sieben Zentimeter größer. Schneller gepaddelt sind die beiden trotzdem. „Unser Boot liegt dafür nicht so tief im Wasser und sein Körpergewicht muss man ja auch erst einmal vom Fleck bewegen“, sagte Kretschmer, als ihm die Goldmedaille um den Hals hing.

„Jetzt feiern wir erst einmal ein Jahr“, sagte Kuschela, und eigentlich kann in dieser Zeit sportlich auch nichts passieren. „Vielleicht werden andere zwischendurch Weltmeister, aber Olympiasieger bleiben wir für die nächsten vier Jahre“, sagte Kretschmer.

„Was für verrückte Jungs“, dachte sich Franziska Weber, als sie und an allen vorbei ins Ziel fahren sah, „da ziehen die ihr Rennen einfach so cool durch“. Wenig später stand sie dann mit Tina Dietze am Start. Sie fuhren von Anfang an der Spitze mit und hängten die Konkurrenz am Ende ab. „Es war gut, dass wir nicht neben den Ungarinnen und Polinnen auf einer Bahn waren, so konnten wir uns ganz auf unser eigenes Rennen konzentrieren und sind am Start gleich schön weggeschnippt“, erzählte Tina Dietze. „Wir haben oft vom perfekten Rennen gesprochen“, sagte Weber, „heute war das ein bisschen mehr.“ Sie saßen auch beide im Vierer-Kajak, der einen Tag zuvor schon die Silbermedaille gewonnen hatte, auch wenn er als Favorit ins Rennen gegangen war. „Diese Medaille glänzt für mich aber genauso“, sagte Weber über ihre silberne Plakette vom Vortag.

Im Gegensatz zu Kuschela und Kretschmer führen die beiden Kajakfaherinnen eine Paddel-Fernbeziehung. Weber trainiert in Potsdam, Dietze in Leipzig. Aber auch das war ein Weg zum Erfolg.

Bei den beiden Canadier-Fahrern ist es inzwischen auch eine klare Rollenverteilung. „Früher war ich der Käptn. Jetzt ist es Peter und ich bin eigentlich nur dafür zuständig, das Boot gerade zu halten“, sagte Kuschela. „Auf jeden Fall sind wir richtig gute Freunde“, sagte er und schaute dabei zu Kretschmer herüber, „eigentlich die besten Freunde, oder?“

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