Sport : Doppelte Erfahrung

Wie Anna-Lena Grönefeld an der Seite der Tennislegende Martina Navratilova reift

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Berlin Mit diesem Ende hatte Anna-Lena Grönefeld offenbar gerechnet. Als sie den Matchball ins Aus geschlagen hatte, packte die 20-Jährige ihre Tennistasche, verabschiedete sich schnell von ihrer Doppelpartnerin Martina Navratilova und eilte mit ihrem Trainer zum Flughafen. Die US Open waren für die gegenwärtig beste deutsche Tennisspielerin am Donnerstagabend beendet. Besser machten es im Einzel der Herren Roger Federer und Lleyton Hewitt, die nun bereits im Halbfinale aufeinander treffen (bei Redaktionsschluss nicht beendet).

Anna-Lena Grönefeld aber kann sich trotz des schnellen Aufbruchs erfreut an die US Open zurückerinnern. Erneut ist ihr an der Seite von Martina Navratilova ein Schritt nach vorne gelungen. „Sie will alles lernen und hat sich schon sehr verbessert“, sagt die 48-jährige Tennislegende trotz des 2:6, 4:6 im Doppel-Halbfinale gegen die Russin Jelena Dementjewa und die Italienerin Flavia Pennetta. Im Viertelfinale hatten beide die favorisierten Swetlana Kusnetsowa und Alicia Molik ausgeschaltet. Nach dem Aus durften sie sich einen Scheck über 100000 Dollar teilen. Ein Betrag, der bei Navratilova keine Aufregung auslösen dürfte. In ihrer nun 32-jährigen Karriere hat sie über 21 Millionen Dollar Preisgelder verdient.

Es ist schon ein ungewöhnliche Duo, das sich nach einer E-mail von Martina Navratilova im Februar gefunden hat. Die alte Dame, die insgesamt 58 Grand-Slam-Titel gewonnen hat, spielt an der Seite eines jungen Mädchens, das noch keinen Einzeltitel, geschweige denn einen Erfolg in einem Grand-Slam-Turnier zu verzeichnen hat.

„Ich kann mir von Martina viel abschauen“, sagte Grönefeld. Tatsächlich steigert sich ihre Leistungen, seit sie mit Navratilova spielt. Die Erfahrungen mit der berühmten Doppelpartnerin lässt die trainingsfleißige, aber schüchterne Anna-Lena Grönefeld auch im Einzel reifen. Sie tritt selbstbewusster auf. Bei den US Open kam sie bis in die dritte Runde und hielt auch beim 5:7, 3:6 gegen die Weltranglistendritte Amelie Mauresmo gut mit. Navratilova kann die Fortbildung an ihrer Seite empfehlen. „Doppel spielt man, weil man ein besserer Tennisspieler werden will“, sagt sie. Auf dem Platz sind die Rollen klar verteilt. Navratilova ist für die schnellen Reaktionen am Netz zuständig, Grönefeld entwickelt Druck von der Grundlinie aus und kann kräftige Aufschläge servieren.

Inzwischen haben sie schon einige Erfolge erzielt. In Toronto gewann die Interessensgemeinschaft erstmals ein Turnier, in Wimbledon und bei den US Open erreichten Grönefeld und Navratilova jeweils das Halbfinale. Nun wächst der Ehrgeiz. „Wenn wir eine Chance haben, uns für das Masters zu qualifizieren, werden wir alles versuchen“, sagte Martina Navratilova. Der Ehrgeiz ist immer noch vorhanden.

Allerdings stellt sich die Frage, wie lange das Gespann, das Mutter und Tochter sein könnte, noch bestehen wird. Geht es nach Grönefeld, könnte die sportliche Beziehung eine gute Weile andauern. Doch Martina Navratilova wird im Oktober 49 Jahre alt, und immer wieder wagt es irgendein Reporter, die unerhörte Frage nach dem Karriereende zu stellen. Eine Entscheidung für das nächste Jahr, ließ Navratilova wissen, sei noch nicht gefallen. „Ich lebe, ich spiele, ich habe Spaß daran.“

Sie zeigt es auch: Nach dem Erfolg im Viertelfinale hatte Navratilova einen Jubelschrei ausgestoßen, hüpfte wie ein junges Mädchen auf und ab, und fiel schließlich Anna–Lena Grönefeld in die Arme. Sie sah glücklich aus. Tsp/dpa

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