Sport : Doppelter Einsatz

Jan Ullrich startet heute in Hamburg – doch Erik Zabel könnte alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen

Mathias Klappenbach

Berlin - Jan Ullrich riss im Ziel die Arme hoch, kein anderer Fahrer hatte seinem Antritt nach den 62 Kilometern noch folgen können. Es war sein fünfter Sieg in diesem Rennen – der „Nacht von Hannover“. Direkt nach der Tour de France, wenn die Zuschauer noch begeistert vom Radsport sind, gibt es bei den so genannten Kriterien eine Menge Geld für die Radprofis zu verdienen, 50 000 Euro Antrittsgage sind da für den Dritten der Frankreich-Rundfahrt drin. Jan Ullrich schreibt viele Autogramme und lässt sich von den Fans feiern. „Ich bin ganz relaxt. Der große Druck auf mich hat nach der Tour de France abgenommen“, sagte Ullrich der Deutschen Presse-Agentur.

Vier solcher Veranstaltungen standen in der vergangenen Woche in Ullrichs Terminkalender. Nach Prag war er am Mittwoch vergebens gereist, weil die Veranstalter dort das Startgeld für die Fahrer nicht aufbringen konnten, einen Tag später siegte Ullrich in Mayrhofen. Am Freitag in Hannover war eine Runde auf dem Kurs rund um die Markthalle etwas mehr als 600 Meter lang, 100 Mal konnten die 50 000 Zuschauer den deutschen Radstar dabei bewundern, wie er an ihnen vorbeirauschte. Die Tour scheint schon mehr als ein paar Tage hinter Ullrich zu liegen: „Trotz der Stürze bin ich die Tour zu Ende gefahren und habe nicht ans Aufgeben gedacht. Diese Erfahrung war wertvoll, vielleicht wertvoller als ein Sieg.“

Sportlich ernst wird es heute wieder in Hamburg. Dort können die erwarteten 800 000 Fans Ullrich auf dem Kurs nur viermal sehen, obwohl die Rennstrecke 250 Kilometer lang ist. Die HEW-Cyclassics (ab 11 Uhr live auf N3 und ab 16 Uhr in der ARD) sind das einzige deutsche Eintagesrennen, das zu der in diesem Jahr eingeführten Serie Pro Tour gehört, in der die 27 wichtigsten Rennen zusammengefasst sind. Weil die 20 großen Profirennställe an Pro-Tour-Rennen teilnehmen müssen, trifft Ullrich heute auf starke Konkurrenten wie den Vorjahressieger Stuart O’Grady oder Danilo de Luca, den Führenden der Pro-Tour-Wertung. Auch das Team Gerolsteiner rechnet sich beim größten deutschen Radrennen Siegchancen für Davide Rebellin aus.

„Ich möchte mich in Hamburg gerne einmal wieder vorne zeigen“, sagt Ullrich, der das Rennen 1997, wenige Tage nach seinem Triumph bei der Tour, gewonnen hat. „Ein Sieg in Hamburg ist immer etwas Besonderes.“ Von 1992 bis 1995, bevor er seinen ersten Profivertrag beim Team Telekom unterschrieb, fuhr der Rostocker Ullrich für die RG Hamburg. Das Streckenprofil in Ullrichs ehemaligem Wohnort kommt aber Spezialisten für Eintagesklassiker entgegen.

In einem möglichen Sprintfinale würde Erik Zabel gerne seinen Erfolg von 2001 wiederholen. Als Werbung für ein verbessertes Angebot von T-Mobile für eine Vertragsverlängerung käme ein Sieg Zabels aber wohl zu spät, ein Gespräch mit T-Mobile-Teammanager Olaf Ludwig soll vor dem Rennen stattfinden. Zabel liegt nach eigener Aussage „ein gutes Angebot“ vor, nach 13 Jahren für den Bonner Rennstall und 191 Profi-Siegen hätte der 35-Jährige aber „ein sehr gutes“ erwartet.

Nach dem Rennen oder spätestens am Montag will Zabel bekannt geben, ob er weiter für T-Mobile fahren wird. Der Sprinter war über seine Nichtnominierung für die Tour de France in diesem Jahr sehr verärgert, ihm sollen Angebote des Schweizer Rennstalls Phonak und von der italienischen Mannschaft Domina Vacanze vorliegen, für die im kommenden Jahr auch der Sprintstar Alessandro Petacchi starten wird.

Am Freitag in Hannover, als Zabel den Sprint des Hauptfeldes für sich entschied, stand der Sieger Jan Ullrich im Mittelpunkt. Heute könnte Zabel, auch wenn er das Rennen nicht gewinnt, mit einer Entscheidung für ein neues Team die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

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