Doppelturniere im Trend : Volleyball im Großraum Bornholm

Trotz des Mangels an Gemeinsamkeiten und direkten Fahrverbindungen richten Polen und Dänemark die Volleyball-EM der Männer zusammen aus – Doppelturniere werden immer beliebter.

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Richtiger Dampfer. Wer die Volleyball-EM der Männer vollständig erleben will, muss sich auf eine Ostsee-Überquerung einstellen.
Richtiger Dampfer. Wer die Volleyball-EM der Männer vollständig erleben will, muss sich auf eine Ostsee-Überquerung einstellen.Foto: picture alliance / dpa

Eine Gemeinsamkeit zwischen Dänemark und Polen? André Meyer muss überlegen. „Die fällt mir spontan nicht ein“, sagt der Präsident des Europäischen Volleyball-Verbandes. Auch in Sachen Volleyball findet Meyer nichts Verbindendes, Dänemark ist Entwicklungsland in dieser Sportart, Polen dagegen eine Macht. Ab diesem Freitag wird sich nun einiges ändern. Dänemark und Polen tragen gemeinsam die Volleyball-EM der Männer aus. Das Turnier der Ostsee-Anrainer im erweiterten Großraum Bornholm ist die nächste Stufe einer interessanten Entwicklung bei internationalen Mannschaftsturnieren.

Die Volleyball-EM der Frauen ist gerade zu Ende gegangen, mit Deutschland und der Schweiz waren immerhin zwei Nachbarn die Austragungsländer. Die vergangene Volleyball-EM der Männer fand in Österreich und Tschechien statt, 2015 sind Bulgarien und Italien an der Reihe. Im Basketball gab es bereits eine Vierfach-Bewerbung von Deutschland, Frankreich, Italien und Kroatien für die EM 2015. Im Eishockey werden der deutsche und französische Verband die WM 2017 gemeinsam austragen. Und 2020 findet die Fußball-EM in Städten auf dem ganzen Kontinent statt, in 13 Ländern.

Zwei Gastgeber zu haben, damit haben die Volleyballer gute Erfahrungen gemacht. „Sie haben meistens zwei Heimmannschaften und deshalb mehr Zuschauer“, sagt Meyer, „sie haben mehrere Städte, in die sie Spiele vergeben können.“ Und auch die Flexibilität sei größer. Man könne die Spiele in jenes Land und jene Stadt legen, die für die anreisenden Fans leichter zu erreichen seien. „Dänemark hätte die EM alleine nie bekommen“, sagt Meyer. Dann hätten sich die Verbände Dänemarks und Polens aber zusammengetan und eine Kooperation vereinbart, die auch über das Turnier hinausgehen könnte. Bei der EM wollen die Dänen auch von den Polen lernen, wie sie große Volleyball-Turniere veranstalten. 80 Experten aus Polen werden nach Kopenhagen reisen, um die Dänen zu unterstützen. In der dänischen Hauptstadt wird das Fußball-Nationalstadion für die Endrunde Ende September in eine Volleyball-Arena verwandelt.

Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), ist ebenfalls ein Freund der Doppelt-und Dreifachturniere. „Man hat einfach wahnsinnig viele Synergien und finanzielle Vorteile“, sagt Weiss. Man könne leichter auf nationaler Ebene nach Sponsoren suchen und so gemeinsam ein größeres Budget generieren, zwei oder mehr Ausrichter könnten in ihren nationalen Medien zudem eine größere öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen. Und die Hallen seien bei Spielen der gastgebenden Teams nun einmal voller. Bei der Basketball-EM derzeit in Slowenien herrscht hingegen oft gähnende Leere auf den Tribünen. Die Veranstalter hatten entschieden, im Gegensatz zu vergangenen Turnieren keine Tagestickets, sondern Eintrittskarten für jedes Spiel einzeln zu verkaufen. Das Ergebnis: Neutrale Fans verzichteten darauf, 15 Euro für Partien wie Ukraine gegen Israel zu bezahlen. Selbst in der Zwischenrunde verloren sich oft nur 500 Zuschauer in der Arena von Ljubljana, die 12 500 Menschen Platz bietet. Kein Wunder, dass der slowenische Staat die EM mit fünf Millionen Euro subventionieren muss.

Wer keine sportverrückte Regierung im Rücken hat, kann große Turniere kaum noch stemmen. Laut DBB-Chef Weiss kommen auf einen nationalen Basketball-Verband für die Ausrichtung einer EM Kosten von rund 25 Millionen Euro zu. Demgegenüber stehen nur Ticketeinnahmen und kleinere Sponsoren. Die TV-Rechte liegen beim europäischen Dachverband, der zudem beispielsweise für die EM 2015 vom Ausrichter acht Millionen Euro an Gebühren und garantiertem Sponsoring verlangte. Unter diesen Umständen ist es nur verständlich, dass Risiko auf mehrere Schultern verteilen zu wollen. Im Gegensatz zu den Basketballern setzt der europäische Volleyballverband auf eine kompakte EM mit 16 statt 24 Mannschaften. Mit Erfolg: Stolze 133 000 Zuschauer sahen die der EM der Frauen. Sollte das polnische Männer-Nationalteam wie bei den vergangenen beiden Europameisterschaften die Endrunde erreichen, dürften viele Fans ihrem Team über die Ostsee nach Kopenhagen folgen.

Ganz so einfach ist das allerdings nicht – eine direkte Fährverbindung zwischen Polen und Dänemark sucht man auch während der EM vergeblich.

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