Dortmund feiert : "We have a grandios Saison gespielt"

"Unfassbar, was hier abgeht", fand nicht nur Borussia-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Hunderttausende Fans feiern in Dortmund beim Umzug des Meisters 2011 die Spieler und ihre Stadt.

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"Da ist das Ding", könnte Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller in Anlehnung an einen anderen bekannten Torwart hier rufen. Mit einer rauschenden Party und einem Autokorso durch die ganze Stadt feiert das stolze Dortmund die Meisterschaft der Borussia.Weitere Bilder anzeigen
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15.05.2011 14:43"Da ist das Ding", könnte Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller in Anlehnung an einen anderen bekannten Torwart hier rufen. Mit...

Kevin Großkreutz blickte auf die riesige Menge in Schwarz-Gelb und wusste, dass er recht behalten hatte. Der Mittelfeldspieler, der aus dem Dortmunder Norden kommt, wo Borussia Dortmund geboren wurde, rief: „Ich habe immer gesagt, dass hier die Post abgeht, wenn wir Meister werden.“ Und dann schaute er auf die Unmengen an Fans, die den Wagen nur im Schneckentempo vorwärtskommen ließen, und sagte: „Und, habe ich zu viel versprochen?“

Am Sonntagmorgen um 12.09 Uhr hatte sich der schwarz-gelb geschmückte Festwagen mit den fröhlich übernächtigten Spielern, Trainer Jürgen Klopp und dem Vorstand zum Umzug vom Borsigplatz zur Westfalenhalle in Bewegung gesetzt. 400.000 Menschen säumten die Straßen, um ihren Lieblingen bei der größten Meisterfeier der deutschen Fußballgeschichte zu huldigen. „Ich werde diesen wunderbaren Verein verlassen“, sagte der sichtlich gerührte Nuri Sahin, der dem Ruf zu Real Madrid gefolgt ist, „aber diesen Tag werde ich niemals vergessen, ich liebe euch alle“. Kevin Großkreutz war ähnlich emotional berührt, er sagte: „Ich sehe in die Augen der Menschen und sehe die Liebe, die uns entgegenschlägt.“

An den Häusern prangte ein riesiges Banner mit dem Spruch: „We have a grandios Saison gespielt.“ Ein Bonmot, das Kapitän Roman Weidenfeller im arabischen Fernsehen von sich gegeben hat, und das in die Schatzkiste der Sprüche der Bundesliga aufgenommen wird. Weidenfeller hat den Spott von Fans und Mitspielern mit Fassung getragen. Auch er war mitten drin in der Feiermeute. Spieler, die es gewohnt sind, von einer Heerschar von Fotografen abgelichtet zu werden, zückten ihre Fotohandys, um das Spektakel festzuhalten. „Unfassbar, was hier abgeht“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Diese Mannschaft hat dieser Stadt ihren Stolz zurückgegeben.“ Schon kurz nach Beginn des Festumzugs waren sämtliche Zeitpläne Makulatur. „Macht nichts“, sagte Watzke, „wir haben die Schale, wir haben alle Zeit der Welt.“ Bereits am Samstag war in Dortmund die Post abgegangen. 80.720 Zuschauer waren beim finalen 3:1 gegen Eintracht Frankfurt im ausverkauften Dortmunder Stadion und erlebten mit, wie Kapitän Roman Weidenfeller um 17.41 Uhr die Schale in den Dortmunder Himmel recken durfte. 18.000 sahen es beim Public Viewing in der Westfalenhalle, hunderte Kneipen waren rappelvoll, und der Borsigplatz ebenfalls prall gefüllt. Diese Begeisterung für den Fußball ist im Ruhrgebiet traditionell und doch deutschlandweit wohl einmalig. Seit zwei Wochen befindet sich Dortmund im Ausnahmezustand, nachdem die Borussia mit dem Sieg gegen Nürnberg die siebte Meisterschaft ihrer Vereinsgeschichte festgemacht hat.

Da verneigt sich auch die Konkurrenz aus dem Süden vor Ehrfurcht. Der Rekordmeister hatte in den ortsansässigen Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen geschaltet. „Ihr habt eine tolle Saison gespielt und seid verdient Deutscher Meister 2011. Der FC Bayern gratuliert dem BVB.“ Eine Aktion, mit der der Branchenführer Größe dokumentierte. „Eine tolle Geste“, befand Sportdirektor Michael Zorc. Dortmund ist begeistert von der jüngsten Mannschaft, die je die Schale geholt hat.

Einige Fans hatten die Ortsschilder der Stadt mit dem schwarz-gelben Schriftzug „Fußballhauptstadt Dortmund“ überklebt. Es sei unbekannt, wer hinter dieser Aktion stecke, teilte das Tiefbauamt mit, man sehe sich nicht in der Lage, die Aufkleber zeitnah zu entfernen. Warum auch, es stimmt ja. Es war ein Akt der Anarchie in einer Stadt, die sich an sich selbst berauschte. Mitten im Trubel stand Clemens Grohs, stützte sich auf seinen Spazierstock, seine Augen leuchteten. Der 75-jährige Rentner aus Sendenhorst ist seit 55 Jahren Vereinsmitglied, nun hatten ihn seine Söhne ins Stadion eingeladen. Ein großer Tag im Leben des Seniors, er sagte:„Wer weiß denn, ob ich so etwas Schönes in meinem Leben noch mal erleben werde.“

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