Dortmund - Hertha 1:2 : Die Sensation nach der Sensation

Hertha BSC krönt eine überraschend starke Hinrunde mit einem noch überraschenderen 2:1-Sieg bei Borussia Dortmund. Im Mittelpunkt steht auch Herthas Torwart-Debütant Marius Gersbeck.

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80.000 Fans? Ich höre nichts! Herthas Sami Allagui bringt mit seinem Tor zum 2:1 die Zuschauer in Dortmund zum entsetzten Schweigen. Zumindest diejenigen, die zum BVB halten. Die mitgereisten Berliner Fans feiern jedenfalls die kämpferische Leistung der ersatzgeschwächten Hertha-Mannschaft.
80.000 Fans? Ich höre nichts! Herthas Sami Allagui bringt mit seinem Tor zum 2:1 die Zuschauer in Dortmund zum entsetzten...Foto: Imago

Marius Gersbeck schaute einmal nach rechts, einmal nach links. Aber nur für einen flüchtigen Moment. Auf der Südtribüne mit den 25.000 Dortmunder Fans wurde gerade eine gewaltige Choreografie aufgezogen. Aber Gersbeck, der Torhüter von Hertha BSC, hatte keinen Blick für das Kunsthandwerk des BVB-Anhangs. Nur nicht ablenken lassen. Nicht an diesem Tag, an dem der 18-Jährige vor 80.645 Zuschauern sein Debüt in der Fußball-Bundesliga gab. Gersbeck zeigte sich nach einem unglücklichen Beginn weitgehend unbeeindruckt von den Umständen . So wie auch der Rest seines Teams. Hertha gewann beim Champions-League-Finalisten 2:1 (2:1) – und das völlig verdient.

Es war für den Aufsteiger der sensationelle Abschluss einer ohnehin sensationellen Hinrunde. Borussia Dortmund hingegen kassierte die dritte Heimniederlage hintereinander.

Hertha fehlten sechs potenzielle Stammspieler

Herthas Leistung ist umso höher einzuschätzen, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen sie zustande kam. Den Berlinern fehlten sechs potenzielle Stammspieler, so dass gegen den BVB mit Gersbeck nicht nur der jüngste Spieler des Kaders in der Startelf stand, sondern auch der älteste. Lewan Kobiaschwili, 36, vertrat allerdings nicht etwa den verletzten Johannes van den Bergh links in der Viererkette, sondern spielte neben Kapitän Fabian Lustenberger in der Innenverteidigung – und machte ein exzellentes Spiel. Links hinten hatte Trainer Jos Luhukay Peter Pekarik aufgeboten.

Die Frage, ob das gut gehen kann, schien schon früh beantwortet zu sein. Kaum mehr als fünf Minuten waren gespielt, als Sebastian Kehl mit einem langen Ball auf Marco Reus die komplette Hertha-Defensive überwand. Gersbeck stürzte aus seinen Tor, zögerte jedoch einen Tick zu lange und wurde von Reus getunnelt. Der Ball trudelte zum 1:0 für die Dortmunder ins Tor.

Die Dortmunder wirkten am Ende des Jahres ein wenig müde

Es war ein denkbar ungünstiger Start für die Profikarriere des jungen Mannes. Zumal Gersbeck sonst einen recht entspannten Eindruck machte. Er wirkte ruhig am Ball, war stets auf der Höhe und konnte sich noch vor der Pause gleich zweimal in Eins-gegen-eins-Duellen auszeichnen. Erst rettete er mit einem starken Reflex gegen Robert Lewandowski, später gegen Henrich Mchitarjan.

Es waren seltene Momente, in denen Herthas Defensive in Not geriet. Die Berliner verdichteten gut den Raum, zudem wirkten die Dortmunder am Ende des Jahres ein wenig müde. Adrian Ramos hätte schon früh den Ausgleich erzielen können, Mitte der ersten Halbzeit machte es der Kolumbianer besser. Nachdem Sami Allagui den richtigen Moment abgepasst hatte, um Erik Durm zu attackieren, lief Ramos seinem Bewacher Sokratis davon und traf nach Vorlage Allaguis zum 1:1.

Kurz vor der Pause kam es noch besser für die Gäste aus Berlin. Der junge Marian Sarr vertändelte als letzter Mann den Ball, Allagui lief allein aufs BVB-Tor zu und erzielte die 2:1-Halbzeitführung für Hertha. „Europapokal“, sang der Anhang aus Berlin. Und, als kleinen provokativen Gruß an die Dortmunder: „In Europa kennt euch keine Sau.“

Das Bollwerk der Berliner konnte der BVB nicht überwinden

Auch in der zweiten Hälfte fand der BVB weiterhin keine Mittel gegen das Bollwerk der Berliner, die sich mit einem solchen Eifer in die Zweikämpfe stürzten, wie man es sonst von den Dortmundern kennt, und die bei Balleroberung blitzschnell umschalteten. Auch deshalb konnte der BVB nie seine letzten Sicherungen aufgeben. Zuletzt waren die Dortmunder durch den verschwenderischen Umgang mit ihren Torchancen aufgefallen, gegen Hertha erspielten sie sich kaum welche. Bis zur 65. Minute dauerte es, ehe Gersbeck bei einem Schuss des eingewechselten Jonas Hofmann mal wieder eingreifen musste. Er parierte glänzend.

Selbst in den Schlussminuten konnten die Dortmunder den Druck nicht mehr entscheidend erhöhen, so dass die Berliner wie nach dem Aufstieg vor zwei Jahren mit 2:1 beim BVB siegten. Dass die Saison für Hertha erneut mit dem Abstieg endet, ist nach dieser Hinrunde ganz sicher nicht mehr zu befürchten.

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