Dortmund - Hoffenheim 3:1 : Der Meister schlägt seinen Angstgegner

Borussia Dortmund gewinnt durch das berauschende 3:1 nach drei Unentschieden, drei Niederlagen und nur einem Auswärtssieg zum ersten Mal zu Hause gegen Hoffenheim.

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Wieder ist er drin. Kevin Großkreutz (links) trifft zum 2:0 für die starken Dortmunder gegen Hoffenheim.
Wieder ist er drin. Kevin Großkreutz (links) trifft zum 2:0 für die starken Dortmunder gegen Hoffenheim.Foto: REUTERS

Kevin Großkreutz lief kurz vor dem Abpfiff vom Platz, sein Trainer Jürgen Klopp hatte es so verfügt, damit sein Akteur die Ovationen des Publikums genießen konnte. Der Mittelfeldspieler nahm die Einladung dankend an und klatschte der tobenden Kulisse auf dem Weg zur Bank begeistert Beifall. Kein Zweifel, der Mann hatte seinen Spaß. Als Borussia Dortmund das erste und bisher einzige Mal ein Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim gewinnen konnte, stand Großkreutz als Fan noch selbst auf der Südtribüne und feuerte seine Mannschaft an. Das war 2008 im DFB-Pokal, der Klub aus dem Kraichgau war Zweitligist und schickte sich an, die Szene aufzumischen. Seitdem ist viel passiert. Und Großkreutz ist auf den Rasen hinabgestiegen, um für seinen Verein zu stürmen, allerdings hatte auch er bislang nicht dabei helfen können, dass die Borussia in der Bundesliga vor eigenem Publikum gegen seinen unbequemsten Gegner hatte gewinnen können.

Der Premierensieg hätte eindrucksvoller kaum ausfallen können, beim 3:1 (2:0) vor 80 500 Besuchern im Dortmunder Stadion gingen die Hoffenheimer im Dortmunder Sturmlauf regelrecht unter. Auch wenn sie sich in Dortmund wie gewohnt in Zurückhaltung üben und sich dem Thema standhaft verweigern, der Weg zur Meisterschaft führt nur über den Titelträger. Entsprechend positiv fiel das Fazit von Kapitän Sebastian Kehl aus: „Viele Chancen, drei Tore, unsere Fans konnten heute freudig nach Hause gehen.“ Auf 18:8 Torschüsse kamen die Statistiker bei dieser einseitigen Angelegenheit, von der ersten Minute an spielte die Borussia die völlig überforderten Hoffenheimer an die Wand. In der turbulenten Anfangsphase hatte Robert Lewandowski gleich vier Mal die Möglichkeit, sein Team in Führung zu schießen. Als er sein Privatduell mit Torhüter Tom Starke kurz unterbrach, sprang Shinji Kagawa in die Bresche. Nach Kehls resoluter Balleroberung gegen Rudy bediente Dortmunds Kapitän den Japaner, der danach leichtes Spiel hatte.

„Was wir in der Anfangsphase im Gegenpressing gemacht haben, war herausragend“, sagte Klopp. Das sah sein Kollege Holger Stanislawski ähnlich: „Die Dortmunder haben losgelegt wie die Feuerwehr, einige meiner Jungs wussten gar nicht, was hier passiert.“ Tatsächlich durften auch die Gäste nach einer halben Stunde ihren ersten Torschuss abgeben. Die Ehre war Sejad Salihovic vorbehalten, dessen Freistoß Roman Weidenfeller von der Linie faustete. Es war nur ein kurzer Moment des Durchatmens. Auf der anderen Seite spielten Kagawa und der starke Jakub Blaszczykowski mit der Hoffenheimer Hintermannschaft Jojo, Kevin Großkreutz drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie, es stand 2:0 für Dortmund.

Es mag kurios klingen, das Resultat war für die Mannschaft von Stanislawski noch das positivste an diesem für sie so traurigen Nachmittag, denn es hätte durchaus auch in einem Debakel enden können. „Wir haben genau die Bälle gespielt, die wir eigentlich nicht spielen wollten“, kritisierte Hoffenheims Trainer. Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Begegnung zunächst einseitig. Nach einer knappen Stunde Spielzeit zelebrierte Großkreutz seine größte Szene, einfach traumhaft, wie er seinen Kollegen Kagawa mit der Hacke in Szene setzte und dem überragenden Regisseur so seinen zweiten Treffer ermöglichte. Dass Fabian Johnson kurze Zeit später für die Hoffenheimer traf, war – wenn überhaupt – nur ein kleiner Makel.

Die Zuschauer feierten ihre über weite Strecken bezaubernd kombinierende Mannschaft und hatten auch für ihre ungeliebten Gäste einige Zeilen parat: „Die Tradition schlägt jeden Trend“, sang die Südtribüne – zumindest für die gestrigen 90 Minuten konnte es am Wahrheitsgehalt dieser Aussage überhaupt keinen Zweifel geben.

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