Sport : Dortmund hofft wieder

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Reinhard Beck ist zurzeit ein gefragter Mann in Dortmund. Seitdem Borussia Dortmund am Donnerstag verkündet hat, es sei „eine existenzbedrohende Ertrags und Finanzsituation eingetreten“, ist der Vorsitzende der Fanabteilung als Telefonseelsorger im Einsatz. Beck sagt, er habe Leute in der Leitung gehabt, „die haben vor Verzweiflung geheult“.

Doch was als Horrorvision über Dortmund hing, ist nun Zuversicht gewichen: Nur einen Tag, nachdem der börsennotierte Fußball-Bundesligist die Ausmaße seiner existenzbedrohenden Krise offenbarte, sprach der Klub am Freitagabend von einem wichtigen Fortschritt zur Realisierung des Sanierungskonzepts. Borussia Dortmund meldete: „Bis zum Geschäftsjahr 2006/07 wird ein Zins- und Tilgungsmoratorium für Altkredite der Finanzgläubiger eingeräumt. Zudem stellen die wesentlichen Finanzgläubiger neue kurzfristige Liquidität zur Verfügung.“ Die Einigung stehe noch unter dem üblichen allseitigen Gremienvorbehalt, teilte der Verein weiter mit. Die Zustimmung solle „bis etwa Mitte nächster Woche“ vorliegen. Bis zum 14. März sollen außerdem die Anteilseigner des Immobilienfonds Molsiris über einen möglichen teilweisen Rückkauf des Westfalenstadions durch den Klub entscheiden.

Die Fans wird diese Kunde freuen, denn der Tod der Borussia wäre vor allem ein Trauerfall für die Anhänger. Rund 80 000 pilgern zu den Heimspielen im Westfalenstadion. Für die Fans auf der Südtribüne, die mit 27 000 Plätzen als weltweit größte Stehplatzkonstruktion gilt, sind die Spiele mehr als ein Freizeitvergnügen. Sie sind Teil einer Art Religion. Die Expansionspolitik des Klubs nennt Fanvertreter Beck „verantwortungslos und selbstzerstörerisch“. Die Aussage des Großaktionärs Florian Homm, der den Klub „notfalls in FC Dortmund“ umbenennen würde, hat die Wut der Fans gesteigert. Beck hat das als „Schlag in die Magengegend“ empfunden: „FC, das verbinden in Dortmund alle mit Schalke.“

Doch nach den guten Nachrichten vom gestrigen Abend können sich die Fans wohl etwas erleichtert mit dem heutigen Bundesligaspiel in München, ein Saisonhöhepunkt zwischen zwei Rivalen, beschäftigten. Bis zum 15. März, 14 Uhr, muss die Borussia Dortmund KGaA bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Lizenzunterlagen für die kommende Saison eingereicht haben. Wenn die Borussia nachweisen kann, dass sie die nächste Spielzeit wirtschaftlich durchstehen kann, wird die DFL die Lizenz erteilen.

Die Stadt Dortmund kann der Borussia in ihrer Krise nicht helfen. Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer kann in Zeiten leerer Kassen höchstens Kontakte zu Wirtschaftsunternehmen herstellen. Trotzdem weiß auch der Oberbürgermeister: „Ohne diesen Verein ist diese Stadt nicht denkbar.“

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