Dortmund - HSV 3:0 : Zwischen Trauma und Traum

Dortmund verarbeitet beim 3:0 gegen den HSV das Drama von Liverpool und schont sich für Hertha.

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Der Ball gehört mir. Dortmunds Adrian Ramos nach dem ersten seiner zwei Treffer gegen den HSV. Foto: dpa/Kirchner
Der Ball gehört mir. Dortmunds Adrian Ramos nach dem ersten seiner zwei Treffer gegen den HSV.Foto: dpa/Kirchner

Knapp zehn Minuten waren gespielt, da nahm Sven Bender von der Seite Anlauf, grätschte den Ball weg und räumte seinen Gegenspieler Pierre-Michel Lasogga dabei resolut beiseite. Der aufmunternde Beifall war dem Manndecker sicher, beim Versuch, das Trauma von Liverpool zu überwinden und in den Alltag zurückzufinden, waren auch brachiale Mittel recht.

Ausgerechnet bei dieser kniffligen Übung bekam es Borussia Dortmund mit dem Hamburger SV zu tun. Der BVB hatte aus den letzten sieben Spielen gegen den Angstgegner von der Elbe lediglich einen Sieg geholt und ist damit maßgeblich daran mitgewirkt, dass der HSV als einziger Klub ununterbrochen in der Bundesliga aktiv ist. Dieses Mal setzte sich der Favorit durch und zeigte beim 3:0 (2:0), dass er die kurze Trauerphase erfolgreich bewältigt hat.

Wie nicht anders zu erwarten, setzte Tuchel drei Tage nach dem krachenden Niederschlag von Liverpool und drei Tage vor dem Pokal-Halbfinale in Berlin kräftig auf Rotation. Im Vergleich zum denkwürdigen 3:4 in der Europa League beorderte er gleich acht neue Spieler in die Startformation. Unter anderem durften mit Christian Pulisic und Felix Passlack zwei 17-Jährige ran. Auch Ilkay Gündogan lief von Beginn an auf, er wird nach Lage der Dinge nicht mehr häufig in Schwarz-Gelb zu sehen sein. Bereits am Freitag hatte die englische „Sun“ über die Einigung zwischen dem Mittelfeldspieler und Manchester City berichtet – er soll beim neuen Arbeitgeber von Pep Guardiola einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben haben.

Der BVB übernahm von Beginn an die Initiative gegen einen HSV, der sich mit zwei Viererketten weit hinten verschanzte und sein Heil in gelegentlichen Gegenangriffen suchte. Die hatten es in sich, in der 14. Minute zischte der Schuss von Nicolai Müller knapp am linken Pfosten vorbei, wenig später hatte Ivo Ilicevic die riesige Chance zur Führung, doch sein Kopfball verfehlte das Ziel knapp.

Dortmund hatte Anlaufschwierigkeiten, nach dem 1:0 lief es dann aber

Von den Gastgebern war dagegen gar nichts zu sehen, weil es kreativen Kräften wie Gündogan, Sahin, Kagawa und Castro nicht ansatzweise gelang, dem müden Kick Struktur zu verleihen. Umso erstaunlicher, dass es der Borussia gelang, den ersten vernünftigen Angriff ins Ziel zu bringen und in der 38. Minute in Führung zu gehen: Mats Hummels spielte Pulisic frei, der den Ball trocken im kurzen Eck versenkte. Es war der erste Bundesligatreffer des jungen US-Amerikaners. Als Adrian Ramos kurz darauf das 2:0 erzielte, platzte Bruno Labbadia der Kragen. „Das kann doch nicht wahr sein“, brüllte Hamburgs Trainer und trat wütend gegen die Trainerbank.

Kurz nach dem Seitenwechsel hatte der HSV allerdings Glück, als Matthias Ostrzolek seinen Gegenspieler Felix Passlack im Strafraum von den Beinen holte, Schiedsrichter Marco Fritz dem BVB den fälligen Elfmeter jedoch verweigerte. Kurz darauf die nächste knifflige Szene: René Adler holte den Japaner Shinji Kagawa rüde von den Beinen und sah dafür Rot, obwohl der Torhüter nicht der letzte Mann war. Es war eine zu harte Entscheidung, Hamburg musste die Partie zu zehnt beenden.

Wer auch immer die vage Hoffnung hegte, der HSV könne sich zu einer Aufholjagd aufraffen, der konnte sich nun von diesem Gedanken befreien. Da auch noch Albin Ekdal verletzt ausfiel und Labbadia nicht mehr wechseln durfte, spielten die Gäste zu neunt zu Ende. Der BVB ließ gegen den dezimierten Gegner Gnade walten, indem er kurz vor Schluss lediglich das 3:0 durch Ramos hinterherschob. Das Motto lautete Kraft sparen, schließlich wartet am Mittwoch in Berlin die weitaus wichtigere Begegnung.

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