Dortmund - Köln : Das Spiel, das zweimal kippt

Dortmund verspielt in Köln spät eine 2:0-Führung – und siegt trotzdem 3:2.

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Nach kurzer Diskussion mit seinem neuen Sitznachbarn schien sich Jürgen Klopp mit dem neuen Platz auf der Haupttribüne abgefunden zu haben. Der Schiedsrichter hatte den Trainer von Borussia Dortmund in der Schlussphase vom Spielfeldrand verwiesen, weil er sich einmal zu oft beschwert hatte. Doch plötzlich sprang Jürgen Klopp wieder auf, raste wild jubelnd durch seine Zuschauerreihe, rempelte einen Fan und legte sich auch noch mit einem Kölner Ordner an. Das alles, weil der Dortmunder Kevin Großkreutz in der 91. Minute den Siegtreffer geschossen hatte.

Borussia Dortmund etablierte sich mit dem 3:2 (2:0) Erfolg beim 1. FC Köln endgültig in der Spitze der Tabelle. Der Abstand auf den Sechsten Werder Bremen ist auf komfortable fünf Punkte gewachsen. Der 1. FC Köln verpasste es in seinem Auftaktspiel der Rückrunde vor 50 000 Zuschauern im ausverkauften Kölner Stadion, sich Richtung Tabellenmittelfeld zu orientieren.

Es war ein Spiel, das über weite Strecken einen bescheidenen Unterhaltungswert bot und das in der Schlussphase eine solche Dramatik entwickelte, dass es allen Besuchern über den Tag hinaus in Erinnerung bleiben wird. Bis zur 82. Minute führten die Gäste aus Westfalen scheinbar sicher mit 2:0, ließen sich dann den Vorsprung innerhalb kürzester Zeit aus der Hand nehmen, um dann noch einmal zuzuschlagen.

Während Dortmunds Trainer Jürgen Klopp von einer „wirklichen Energieleistung auf diesem schweren Boden“, sprach, lobte auch der Kölner Kollege Zvonimir Soldo Wille und Moral. „Wir haben viel investiert und sind leider nicht belohnt worden“, sagte er. Doch bis sich die Ereignisse überschlugen, benötigten die Zuschauer viel Geduld mit 22 Akteuren, die sich auf tiefem Geläuf unheimlich schwer taten. Wobei die Kölner in der ersten Halbzeit noch wesentlich mehr für das Spiel taten. Doch sie machten aus einem Chancenverhältnis von sieben zu zwei viel zu wenig und waren dazu auch noch indisponiert bei gegnerischen Standards: Ecke Sahin, Kopfball Hummels und dann eine Wiederholung, Freistoß Sahin, Kopfball Hummels – es stand 2:0 für die Dortmunder, die ihr Glück kaum fassen konnten.

Dortmund hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Torhüter Roman Weidenfeller verloren, der sich nach einem Zusammenprall mit Novakovic eine Fleischwunde am linken Knie zugezogen hatte. Trotz dieses Mankos kontrollierten die Dortmunder Spieler scheinbar mühelos das Geschehen.

Nach einer Stunde holte Soldo den völlig indisponierten Lukas Podolski vom Platz. Der Nationalspieler schäumte vor Wut, schleuderte Handschuhe und Trainingsjacke von sich, um wort- und grußlos in den Katakomben zu verschwinden. Es war, als habe Podolski seinem Trainer den Fehdehandschuh vor die Füße geworfen. Doch Soldo mochte vom heranziehenden Ärger nichts wissen: „Lukas selbst hat gezeigt, dass er raus will, er hatte Rückenprobleme.“

Nach seiner Auswechslung begann der Showdown. Kevin McKenna und Youssef Mohamad trafen, zwei Tore aus dem Nichts. Das Stadion bebte. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp musste auf die Tribüne, wo er miterlebte, wie seine Spieler eiskalt zurückschlugen: Großkreuz zog von 16 Metern ab, der Schuss wurde von einem Kölner Spieler abgefälscht und landete zum Entsetzen aller Kölner im Netz. Es war ein dramatisches Ende: Ein Spiel, das lange vor sich hingeplätschert war, war innerhalb von zehn Minuten zum zweiten Mal gekippt.

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