Sport : Dortmund - Köln: Wenig gönnerhaft

Klaus Wegener

Matthias Sammer ist ein genügsamer Mensch. Manchmal stimmt ihn deshalb auch schon ein Unentschieden froh, selbst wenn eigentlich ein Sieg eingeplant war. "Zumindest", so stellte der Trainer von Borussia Dortmund also erleichtert fest, "haben wir nicht verloren." Dem war nach dem 3:3 (1:2) gegen den 1. FC Köln vor 68 600 Zuschauern im vollen Westfalenstadion nur schwer zu widersprechen. Spürbar spielte bei den Dortmundern die Angst mit - die Angst vor einer Niederlage. Und alles wegen Schalke, dem Erzrivalen. Der Zorn der BVB-Fans wäre unbändig gewesen, wenn ihre Borussen im Falle einer Niederlage der Schalker gegen Unterhaching in der Tabelle nicht am "Feind" vorbeigezogen wären.

Nach 20 Minuten sah es so aus, als würde Schalke bei einem 0:2-Rückstand und gleichzeitiger 1:0-Führung des BVB durch Addo noch vom Tabellenplatz zwei verdrängt werden. Doch gerade als das 2:0 der Unterhachinger auf der Anzeigentafel im Westfalenstadion aufleuchtete, leistete sich Dortmunds Dede einen kapitalen Bock. Ohne Bedrängnis überwand er seinen Torwart Jens Lehmann - vom Strafraumeck, mit dem Kopf. Beim BVB riss nach diesem 1:1 der Faden. Sammer ärgerte sich: "Da sind wieder einige mit dem Kopf nicht richtig auf dem Platz gewesen." Köln führte danach zweimal. Beide Male war Matthias Kreuz der Torschütze. Nach dem dritten Gegentreffer wuchs Sammers Kummer beträchtlich. "Wenn wir 2:3 verlieren und am Ende ist Schalke auch noch Deutscher Meister, dann wäre das doch ziemlich tragisch gewesen", sagte er. Reina mit dem 2:2 und Bobic60 Sekunden vor Schluss mit dem 3:3 sorgten dann doch noch für das Remis, dem indes einige Aufregung voranging. In provozierender und leichtsinniger Manier war Dortmunds Stevic mit einem Foulelfmeter an Kölns Torwart Pröll gescheitert. Und dann flog auch noch Jörg Heinrich wegen einer Tätlichkeit vom Platz (72.).

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen Sammer hätte, bei seiner Anti-Schalke-Stimmung, auch noch ein Dankeswort nach Hamburg schicken können, wo die Bayern die Schalker Meisterschaft verhinderten. Dortmund zieht in die Qualifikation für die Champions League ein, und das ist doch ein halbwegs versöhnlicher Saisonschluss.

Zufrieden war auch Kölns Trainer Ewald Lienen. "Wir konnten hier keine offene Feldschlacht liefern. Dortmund hat die viel besseren Individualisten", sagte er. Sammers Sorge, Schalke hätte Meister werden können, bekam auch Lienen mit und gab ihm im Stile eines älteren und erfahreneren Kollegen den Rat: "Man muss auch gönnen können." Sammer konterte trocken: "Dafür bin ich noch zu jung."

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