Sport : Dortmund - Leverkusen: Trendwende verpasst

Felix Meininghaus

Es gibt Tage im Leben, da nehmen sich Fußballer ganz besonders viel vor. Für die Kicker von Borussia Dortmund mag es nach fünf sieglosen Pflichtspielen in Folge ein solcher Tag gewesen sein. Schon vor der Partie gegen Bayer Leverkusen konnten 64 500 Zuschauer im Westfalenstadion spüren: hier liegt was in der Luft. Ungewohnt innige Umarmungen und Aufmunterungen waren unter den Dortmundern schon zu sehen, bevor das Spiel überhaupt angepfiffen war.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de 90 Spielminuten später stand es 1:1, und es war wieder nichts geworden aus dem Dortmunder Streben nach der Trendwende. Dabei hatten die Gastgeber eine mitreißende Anfangsphase geboten, bei der sie alle Tugenden ihres Saisonstarts mit vier Siegen hintereinander präsentierten. Das Einzige, was fehlte beim Kombinationswirbel, war die Zielstrebigkeit vor dem gegnerischen Tor. "Ganz sachlich argumentiert müssen wir 5:0 führen", analysierte Trainer Matthias Sammer. Die Überschlagsrechnung von Reiner Calmund sah etwas anders aus: Leverkusens Manager sah, "dass wir locker mit 2:0 zurückliegen konnten. Die Dortmunder hätten den Sack zumachen müssen. Sie haben es nicht getan, und wir haben es bestraft. So ist halt Fußball."

Anstatt nach hochkarätigen Chancen durch Koller, Wörns, Dede und Sörensen entscheidend davon zu ziehen, reichte es für den BVB nur zur 1:0-Führung durch Marcio Amoroso. Dem fünften Saisontor des brasilianischen Goalgetters ging die Dortmunder Standardkombination voraus: Der wunderbare Pass von Rosicky in den Lauf des schnellen Südamerikaners, der in der Eins-Gegen-Eins-Situation mit dem gegnerischen Torwart so viel Souveränität ausstrahlt wie niemand sonst in der Bundesliga.

Aber außer Amoroso trifft keiner zuverlässig in Dortmund. Vielleicht ändert sich das mit der Verpflichtung des brasilianischen Nationalspielers Ewerthon. Für die ersten 50 Prozent der Transferrechte müssen die Dortmunder 3,4 Millionen Dollar bezahlen, die zweite Hälfte wird im kommenden Sommer fällig.

Warum die Dortmunder nach de fulminanten Start das Heft aus der Hand gaben, bleibt ihr Geheimnis. Bis zehn Minuten vor Spielende hielten sie die Führung, doch dann traf Bayers eingewechselter Bulgare Dimitar Berbatov zum 1:1. Da war Ulf Kirsten schon nicht mehr mit von der Partie. Leverkusens Sturmführer blieb blass, doch das war nicht der Grund, warum der 35-Jährige nicht zurück in die Nationalmannschaft will: "Rudi Völler hat bislang nicht mit mir gesprochen", sagte Kirsten. "Im Übrigen habe ich vor zwei Jahren gesagt, es ist vorbei."

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