Dortmund - Nürnberg 2:0 : Dortmund zurück in der Spur

Meister Borussia Dortmund erarbeitet sich in der zweiten Halbzeit gegen stark verteidigende Nürnberger einen 2:0-Heimsieg

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Robert Lewandowski (l.) bei seinem Treffer zum 1:0. Der ehemalige Herthaner Lukasz Piszczek (r.) leitete die Führung in Zusammenspiel mit Mario Götze ein.
Robert Lewandowski (l.) bei seinem Treffer zum 1:0. Der ehemalige Herthaner Lukasz Piszczek (r.) leitete die Führung in...Foto: rtr

Was fürs Auge gab es in Dortmund beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg, als der Ball noch gar nicht rollte. „Flagge zeigen“, heißt die Aktion, bei der 40 BVB-Anhänger mit den Fahnen ihres Heimatlandes auf den Rasen liefen, und mit dem die Fan-Abteilung ein Zeichen setzen wollte gegen rechts und für Toleranz, Respekt sowie Vielfältigkeit.

Der Demonstration moralischer Stärke wollten die Profis in schwarz-gelb eine fußballerische folgen lassen. Das gelang nur in Ansätzen. Die Dortmunder gewannen zwar bei herrlichem Fußballwettter vor 78.400 Zuschauern im heimischen Stadion mit 2:0 (0:0), blieben in spielerischer Hinsicht jedoch vor allem in der schwachen ersten Halbzeit einiges schuldig. In Meisterform präsentieren sich die Schützlinge von Jürgen Klopp derzeit noch nicht. Immerhin, die Borussia ist im Soll, die Niederlage in Hoffenheim vergessen. Die Geschehnisse abseits des Rasens bei der Partie im Kraichgau bringt die Dortmunder Fangemeinde jedoch noch immer auf die Palme. „Mit oder ohne Störgeräusche, unsere Proteste bleiben ohrenbetäubend“, war auf einem Spruchband zu lesen. Und auf einem anderen: „Dietmar Hopp, Sohn einer Hupe.“

Als die Zeit der Kundgebungen vorbei war und das Spielgeschehen lief, versuchten die Gastgeber, die aus der letzten Saison gewohnte Dominanz auszustrahlen. Der Deutsche Meister brachte das hohe läuferische Engagement ins Spiel, das ihn stets auszeichnet. Was fehlte, war die Präzision. Der BVB leistete sich ungewohnt viele leichte Fehler im Passspiel, was immer wieder zu Ballverlusten führte. Zudem erwiesen sich die vielen langen Bälle aus der Innenverteidigung als wenig probates Mittel. Nürnberg hatte wenig Probleme, die eigene Defensive zu ordnen und den Ball aus der Gefahrenzone herauszuhalten. Sehr zum Gefallen des Torhüters Patrick Rakovsky, der den verletzten Raphael Schäfer vertrat. Der vom FC Schalke 04 gekommene 18-Jährige Debütant durfte sich bei seiner Erstliga-Feuertaufe direkt vor der größten Stehplatztribüne der Welt beweisen. In der ersten Halbzeit war sein Arbeitstag weit weniger spektakulär als zu vermuten, lediglich in der 38. Minute musste Rokovsky bei einem Schuss von Lewandowski aus spitzem Winkel auf der Hut sein und löste seine erste Bewährungsprobe ohne Fehl und Tadel. Mehr Chancen gab es für die Borussia, bei der sich der genesene Nationalspieler Marcel Schmelzer auf der linken Außenbahn zurückmeldete, nicht zu notieren. Dafür hätten die Gäste durchaus in Führung gehen können. Sie waren – man höre und staune – die spielerisch reifere Mannschaft.

Nürnberg machte nicht nur in der Abwehr einen äußerst gefestigten Eindruck, der Club setzte bei Gelegenheit immer wieder Akzente nach vorn. Immer wieder tauchte Trainer Dieter Hecking an der Seitenlinie auf und forderte seine Spieler mit unmissverständlichen Gesten auf, ich nicht zu verstecken. Der Meister, so die Botschaft, ist nicht unverwundbar. Die Spieler in weiß erkannten das und setzten immer wieder Nadelstiche. Zum Beispiel in der elften Minute zerschnitt Pinola die Dortmunder Deckung mit einem wunderbaren Diagonalpass, die Hereingabe von Chandler konnte Hummels so gerade vor dem einschussbereiten Eigler entschärfen. Bei der anschließenden Ecke strich der Kopfball von Wollscheid haarscharf über das Dortmunder Tor. Auch kurz vor dem Pausenpfiff war der BVB im Glück, als Hegeler auf und davon marschierte, Torhüter Roman Weidenfeller den Heber jedoch mit den Fingerspitzen ablenken konnte. Ganz klar, die Franken hätten die erste Halbzeit nach Punkten gewonnen, gäbe es eine solche Wertung im Fußball.

So stand es 0:0, und das ließ den Platzherren alle Möglichkeiten. Gleich die erste nach dem Wiederanpfiff nutzten sie auf unnachahmliche Weise. Ein herrliche Kombination über Pszczek und Götze schloss Lewandowski ab und drosch den Ball zur Dortmunder Führung unter die Latte. Eine tolle Kombination hatte gereicht, um den BVB in Führung zu bringen, die äußerst schmeichelhaft war. Den Gastgebern konnten die Umstände egal sein, sie nahmen die Gunst des Schicksals gern an und spielten nun zielstrebiger nach vorn. Lewandowski hätte sein zweites Tor machen können, als er im Strafraum frei gespielt wurde, doch Rakowsky entschied das Duell Torhüter gegen Stürmer für sich. Wenig später flankte der eingewechselte Blaszczykowski auf den ebenfalls eingewechselten Perisic, dessen Kopfball an den Pfosten klatschte. Zehn Minuten vor dem Abpfiff zog dann Kevin Großkreutz los. Sein Schuss wurde von Timm Klose unter die Latte abgefälscht, das Spiel war entschieden. Am Ende hatten sich die Dortmunder den Sieg aufgrund einer klaren Steigerung in der zweiten Halbzeit dann doch noch verdient. Sogar nach Punkten.

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