Dortmund - Wolfsburg 2:0 : Ein Star macht noch kein Team

Auch im zweiten Spiel mit Diego verliert der VfL Wolfsburg zum zweiten Mal – diesmal 0:2 bei starken und dynamischen Dortmundern –, denn die eigentliche Baustelle ist und bleibt die Hintermannschaft.

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Und dann die Hände zum Himmel... Auch im zweiten Einsatz für Wolfsburg reicht es nicht zum Sieg: Diego will es nicht wahrhaben.
Und dann die Hände zum Himmel... Auch im zweiten Einsatz für Wolfsburg reicht es nicht zum Sieg: Diego will es nicht wahrhaben.Foto: dpa

Vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg hat Jürgen Klopp mal wieder ein klares Bekenntnis abgegeben: So lange er in Dortmund das Sagen habe, werde es nie und nimmer so etwas wie schnöde Manndeckung geben. Auch für Edeltechniker Diego würde keine Ausnahme gemacht. „Er wird es – je nachdem, wo er sich aufhält – mit den beiden defensiven Mittelfeldspielern oder mit beiden Innenverteidigern zu tun haben. Vier Leute mit klaren Aufträgen sind mir lieber als einer, der stur hinterher rennt.“

Die Spieler haben ihren Trainer verstanden und gegen weitgehend harmlose Wolfsburger einen souveränen 2:0 (0:0)- Sieg eingefahren. Damit bleiben die mit so großen Ambitionen gestarteten Niedersachsen weiter ohne Punkt, während sich die Dortmunder nach der Auftaktpleite gegen Leverkusen weiter Richtung Tabellenspitze orientieren.

Wie sich Klopp das Engagement seiner Defensivkräfte gegen Diego vorstellt, zeigten sie vor 73 600 Zuschauern von Beginn an: Wo immer der Brasilianer auftauchte, wurde er von ständig wechselnden Gegenspielern beharkt, in der Anfangsphase fiel der 25-Jährige vor allem dadurch auf, dass er auf dem Boden lag und reklamierte. Nach einer halben Stunde war sein Trikot lehmverschmiert.

Kurz vor dem Halbzeitpfiff zeigte Wolfsburgs neues Zauberduo dann, was von ihm erwartet wird: Diego spielte den Ball mit der Hacke auf Dzeko, dessen Schuss an die Latte klatschte. Kurz darauf hatte Diego Glück, dass er nach einer Tätlichkeit an Sebastian Kehl mit der Gelben Karte davon kam. Der BVB hätte zu diesem Zeitpunkt längst in Führung liegen müssen. Sechs beste Kopfballchancen blieben ungenutzt, weil die Präzision fehlte und Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio glänzend reagierte.

Fünf Minuten nach dem Seitenwechsel schnappte sich Nuri Sahin den Ball und drosch ihn aus 20 Metern in den Winkel. „Ich dachte, komm, versuch es doch einfach mal“, berichtete der Torschütze später. „Zum Glück hat es geklappt.“ Für Jürgen Klopp war dieser Treffer „der Dosenöffner – mit der Führung im Rücken haben wir absolut souverän gespielt.“

Sein Wolfsburger Kollege Steve McClaren sah das ähnlich. „Die Reaktion meines Teams nach dem Gegentor war enttäuschend“, sagte der Engländer. „Meine Mannschaft hat danach jegliches Selbstvertrauen verloren.“ Tatsächlich zeigten sich die Gäste beeindruckt von der Dortmunder Angriffswucht. Der BVB bestimmte weiter die Partie, beim 2:0 durch Shinji Kagawa durften die Borussen ungehindert kombinieren, ehe der Japaner vollendete.

Mit Diego hat Wolfsburg zwar einen Hochkaräter für die Kreativabteilung verpflichtet, das Problem bleibt aber die Defensive. Der mit großen Vorschusslorbeeren geholte Simon Kjaer, für den Wolfsburg zwölf Millionen Euro an US Palermo überwiesen haben soll, vermag die Lücken nicht zu schließen. Nach dem total missglückten Start wird in Wolfsburg nun Ursachenforschung zu betreiben sein. Manager Dieter Hoeneß räumte bereits ein, wie schwer es nun falle, „nach drei Niederlagen etwas Gutes zu sagen. Wir spielen immer eine gute Halbzeit, in der anderen brechen wir ein.“ Hoeneß machte „unerklärliche Handlungsweisen“ aus: „Wir müssen unsere Nerven besser in den Griff kriegen.“

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