Dortmunds Legende Aki Schmidt im Interview : „Ich muss mich selbst bremsen“

Alfred "Aki" Schmidt gewann als Spieler mit dem BVB den Meistertitel, den Pokal und den Europapokal. Später arbeitete er über viele Jahre als Fanbeauftragter des Vereins. Im Interview spricht er über seine Anspannung vor dem Spiel der Borussia gegen Nürnberg, Tipps an Nuri Sahin und einen Schrebergarten.

Alfred „Aki“ Schmidt, 75, wurde als Spieler mit Borussia Dortmund Meister, Pokalsieger und Europacupsieger. Foto: p-a/Sven Simon
Alfred „Aki“ Schmidt, 75, wurde als Spieler mit Borussia Dortmund Meister, Pokalsieger und Europacupsieger. Foto: p-a/Sven SimonFoto: picture-alliance / Sven Simon

Aki Schmidt, der Vorsprung des BVB ist auf fünf Punkte geschmolzen. Haben Sie Angst, dass es doch nichts wird mit dem Titel?

Die Anspannung ist zu spüren, wenngleich wir weiter optimistisch sind. Die Mannschaft spielt sich eine Vielzahl von Chancen herausspielt, das ist ein gutes Zeichen. Aber mit der Niederlage gegen Gladbach habe ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet. Jetzt ist das Spiel gegen Nürnberg eines von drei Endspielen.

Wie schlafen Sie derzeit?

Unterschiedlich. Es ist so wie zu meiner Zeit als Spieler, ich wurde damals immer aufgedrehter, je näher das Spiel rückte. Vor dem Anpfiff wusste ich gar nicht mehr, wie ich heiße. Ich muss mich schon bremsen.

Wie nah sind Sie an der Mannschaft?

Ich kenne die Jungs sehr gut, bin auch auf den Reisen mit der Mannschaft unterwegs. Das macht schon stolz, wenn dann Nuri, Roman oder Neven zu mir ankommen und fragen: Aki, wie war das denn damals? Ich fiebere mit den Jungs mit, sie sind alle einfach super drauf und hätten den Titelgewinn auch absolut verdient.

Der BVB setzte auf die jungen Spieler, nachdem er vor dem Abgrund stand. Wie war das damals für Sie?

Sehr schlimm. Es hat wehgetan. Da bin ich spazieren gegangen und habe mir Gedanken gemacht: Es kann doch nicht sein, dass Dortmund als Traditionsverein und WM-Standort abstürzt. Dann kam die Nachricht in Düsseldorf, dass wir gerettet sind. Das war ein echter Glückstag, den ich nicht vergessen werde.

In Dortmund hat sich sogar jemand die Meisterschale über den kompletten Rücken tätowieren lassen. Woher kommt diese Leidenschaft der Fans?

Diese unglaubliche Leidenschaft für den Verein haben die Leute im Ruhrgebiet von ihren Oppas mitbekommen. Was hat man denn hier gehabt außer Fußball? Der Fußball war für die Bergmänner und Stahlarbeiter nach der harten Maloche doch alles. Außerdem ist der Westfale an sich sehr erdverbunden. Wenn man ihn einmal als Freund hat, dann richtig und für immer.

Stimmt es, dass Sie vor Ihrer Zeit bei Dortmund fast bei Schalke gelandet wären?

Nein, das kann man so nicht sagen. Es gab Angebote von Schalke und Köln, aber ich wollte immer nach Dortmund. Dafür habe ich alles gegeben, mich in meiner Jugend mit Waldläufen selbst gequält, bis ich es irgendwann geschafft habe. Da kam der Vorsitzende des BVB, Heinz Dolle, mit einem dicken Wagen vorbei und in meiner Heimatstadt Berghofen hingen alle am Fenster.

Wenn Dortmund Meister wird, wie werden Sie feiern?

Ich habe hier in Dortmund-Brackel einen Fanklub gegründet, der nach unserem Schrebergarten benannt ist: „Einigkeit“. Wir haben 150 Mitglieder bisher und werden zusammen, im Fall der Fälle, genüsslich etwas trinken.

Das Gespräch führte Ron Ulrich.

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