Dr. Dollas Diagnose (114) : Wenn die Hüfte schmerzt

Wenige Tage nach dem Champions-League-Finale wurde Borussia Dortmunds polnischer Nationalspieler Lukasz Piszczek arthroskopisch an der rechten Hüfte operiert. Wie kommt es zu Knorpelschäden im Hüftgelenk?

Dr. Thorsten Dolla
Lukasz Piszczek (unten) gegen Bayerns Franck Ribéry.
Lukasz Piszczek (unten) gegen Bayerns Franck Ribéry.Foto: dpa

Bei dem Eingriff wurde Piszczek ein Knorpelschaden an Pfanne und Hüftkopf beseitigt. Der Rechtsverteidiger wird voraussichtlich fünf Monate ausfallen.

Das Hüftgelenk zählt zu den größeren Gelenken des menschlichen Körpers und wird durch Oberschenkelknochen (Hüftkopf) und Becken (Hüftpfanne) gebildet. Damit die jeweiligen Knochenenden gut miteinander artikulieren können, sind diese mit einer ungefähr drei bis fünf Millimeter dicken Knorpelschicht (hyalinar Knorpel) überzogen. So wird nicht nur die Reibung reduziert. Der Knorpel reduziert durch seine Elastizität auch Belastungen wie sie beim Laufen und Springen auftreten. Da aber die über dem Knorpel liegende Knorpelschicht schmerzunempfindlich ist, werden Veränderungen oft erst spät erkannt.

Es kann in Folge einer Entzündung bei Belastung zu Schmerzen und zu einer Bewegungseinschränkung des Hüftgelenkes kommen. Durch eine Enzündungsreaktion der Gelenkschleimhaut (Synovia) kann sich Flüssigkeit bilden. Diese Flüssigkeit wird nicht mehr ausreichend resorbiert; es bildet sich ein Gelenkerguss.

Neben der klinischen Untersuchung ist eine Röntgenaufnahme und bei Darstellung des Knorpelzustandes zusätzlich eine Magnetresonanztomografie (MRT) notwendig.
Knorpelschäden werden in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt. Bei frühzeitiger Erkennung der Knorpelschädigung können noch regenerative Maßnahmen eingeleitet werden. Ist der Knorpel schon zerstört, ist häufig nur noch der Gelenkersatz möglich.

Thorsten Dolla.
Thorsten Dolla.Foto: promo

Es gibt unterschiedliche Ursachen für eine Knorpelschädigung. Natürlich können Überlastungen oder Unfälle dafür verantwortlich sein. Aber auch Bein-Fehlstellungen (X- oder O-Bein) und Übergewicht sind ein Arthroserisiko. Die Durchführung von Ausdauersportarten (Laufen, Fahrrad fahren, Schwimmen), aber auch das Fußball spielen bedeutet nicht, dass später ein Knorpelschaden auftreten muss.
Ein Knorpelschaden kann jedoch auch nicht „einfach“ beseitigt werden. Wie Studien zeigen, ist er ist auch durch Bewegung heilbar. Es bildet sich dann jedoch nur ein Knorpelersatzgewebe (Faserknorpel), dass von der Struktur nicht so belastungsfähig ist wie der ursprüngliche Knorpel (hyaliner Knorpel).

Seit über zehn Jahren wird auch eine Hüftarthroskopie durchgeführt. Damit können nicht nur freie Gelenkkörper, knöcherne Randzacken und eine entzündete Gelenkschleimhaut entfernt werden. Auch gerissene Teile der Gelenklippe (Labrum) können entfernt werden. Nach einem operativen Eingriff benötigt jeder Patient intensiv Physiotherapie und Geduld.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 50, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen. Alle Folgen können Sie hier nachlesen.

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