Dr. Dollas Diagnose (127) : Wie gefährlich ist der Marathon?

Der Berliner Orthopäde Thorsten Dolla erklärt in seiner wöchentlichen Kolumne, warum ein gutes Marathontraining gesünder ist als ein Marathonlauf.

Dr. Thorsten Dolla
Viele Läufer gehen ungenügend vorbereitet in einen Marathonlauf und riskieren Verletzungen und Gesundheitsschäden. Foto: dpa
Viele Läufer gehen ungenügend vorbereitet in einen Marathonlauf und riskieren Verletzungen und Gesundheitsschäden.Foto: dpa

Wer glaubt mit einem Marathonlauf etwas für seine Gesundheit zu tun, könnte falsch liegen. Viele Mediziner sind sich einig, dass ein Marathonlauf eine Extrembelastung für den Körper darstellt, die eher schadet als hilft. Wie gefährlich ist ein Marathonlauf?

Seit Jahren boomt die Laufbewegung. Der Marathon ist ein Volkssport, mit weiterhin hohen Teilnehmerzahlen. Es besteht kein Zweifel, richtig durchgeführtes Lauftraining ist gesund, aber ist es auch ein Marathon?

Viele Teilnehmer eines Marathonlaufs sind schlecht vorbereitet. Aus meiner Praxis weiß ich, dass mancher schon aus einer Laune heraus sich für einen Lauf angemeldet hat. Da bleibt dann oft vieles auf der Strecke. Gerade für Hobbyläufer ist eine ärztliche Untersuchung vor Aufnahme des Trainings unabhängig vom Alter notwendig. Neben der körperlichen Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems und des Bewegungsapparates gehört ein Belastungs-EKG und eine Lungenfunktionsprüfung zum Standardprogramm. Auch ein Herzultraschall ist als ergänzende Maßnahme empfehlenswert.

Der Weltrekord von Wilson Kipsang Kiprotich in Bildern
Die halbe Stadt war am Sonntag auf den Beinen. Mehr als 40 000 Läuferinnen und Läufer rannten den Jubiläumslauf, Hunderttausende feuerten sie an der Strecke an. Bei schönstem Wetter war der 40. Marathon vor allem eins: ein großes Volksfest. Foto: ReutersWeitere Bilder anzeigen
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29.09.2013 13:31Die halbe Stadt war am Sonntag auf den Beinen. Mehr als 40 000 Läuferinnen und Läufer rannten den Jubiläumslauf, Hunderttausende...

Natürlich ist Laufen vom Grundsatz her gesund und kann auch bei Läufern mit Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen oder bei Zuckerkrankheit durchgeführt werden. Nach Rücksprache mit dem Arzt wird individuell die Belastung des Läufers und die damit verbundene Laufdistanz besprochen.

Mindestens sechs Monate vor einem Marathon sollte systematisch mit dem Lauftraining begonnen werden. Leider ignorieren zu viele Läufer Vorerkrankungen oder Schmerzen in den Gelenken. Durch die Ausschüttung von Endorphinen während des Laufens werden eigene Schmerzgrenzen überschritten. Bei Beschwerden in den Kniegelenken oder im Rücken werden entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente (wie Ibuprofen, Voltaren etc.) genommen. Die Nebenwirkungen sind erheblich. Neben Magen-Darmbeschwerden können auch kardiotoxische Effekte auftreten. Sportler müssen nach Infektionen wie Grippe und Fieber mindestens drei Wochen pausieren. Ein Marathonlauf hinterlässt Mikromuskelschäden, die aber bei ausreichender Regeneration ausheilen. Heutzutage ist man sich darüber einig, dass ein gutes Marathontraining gesünder ist als ein Marathonlauf.

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