Dr. Dollas Diagnose (133) : Wie schwerwiegend sind offene Wunden?

Arjen Robben fällt beim FC Bayern für die kommenden sechs Wochen aus. Der Niederländer erlitt unter der Woche im Pokalspiel eine tiefe Risswunde. Unser Kolumnist erklärt, wie schwerwiegend solche Verletzungen sind.

Dr. Thorsten Dolla
Die Mannschaftsärzte des FC Bayern versorgen die Wunde von Arjen Robben.
Die Mannschaftsärzte des FC Bayern versorgen die Wunde von Arjen Robben.Foto: Imago

Arjen Robben wird dem FC Bayern München lange Zeit fehlen. Beim heftigen Zusammenprall unter der Woche im DFB-Pokalspiel mit dem Augsburger Torwart Marwin Hitz, der ihn mit den Füßen voraus im Strafraum umgemäht hatte, erlitt der niederländische Nationalspieler eine tiefe Risswunde bis ans Kniegelenk des rechten Beins. Wie schwerwiegend sind offene Wunden?

Im Sport unterscheiden wir zwischen zwischen Platz-, Riss- und Quetschwunden. Die klassischste ist die Platzwunde. Sie ist meist die Folge eines Schlages auf die Haut. Dabei ist besonders die auf dem Knochen direkt aufliegende Haut betroffen. Das ist vorwiegend der Bereich über dem Schienbein, Kniegelenk oder Knöchel. Beim Boxen sind besonders die Stirn und die Augenbrauen betroffen.

Die Platzwunde ist eine gängige Verletzung auf dem Fußballplatz. Bei einem Tritt auf den Knochen kann es zu Prellungen mit einem Bluterguss kommen. Wird die Haut nach dem Tritt zerrissen, tritt eine Wunde auf. Die sofortige Therapie besteht in einer Kühlung mit Desinfektion. Anschließend wird die Wunde auch zwecks Blutstillung mit einem sterilen Wundverband versorgt.

Nach einer ärztlichen Untersuchung mit Prüfung der Durchblutung, Sensibilität und Beweglichkeit der anliegenden Gelenke kann nach ausreichender Desinfektion eine Versorgung der Wunde mit einer Naht notwendig sein. Bei verschmutzten Wunden wird nach Wundreinigung prophylaktisch ein Antibiotikum gegeben. Wichtig ist dabei eigentlich auch immer die Prüfung, ob ein ausreichender Tetanusschutz vorliegt. Der Tetanus (Wundstarrkrampf) ist eine Infektion, die tödlich verlaufen kann. Ausgelöst wird diese Infektion durch Bakterien. Eine vollständige Immunisierung hält bis zu zehn Jahren. Eine Auffrischung der Immunisierung wird mit einer Tetanusimpfung durchgeführt.

Thorsten Dolla.
Thorsten Dolla.Foto: promo

Besteht der Verdacht auf eine knöcherne Verletzung, wird ein Röntgenbild durchgeführt. Um eine optimale Wundheilung zu gewährleisten, ist die regelmäßige Versorgung und damit auch Kontrolle der Wunde notwendig. Nicht selten kommt es bei der Schorfbildung auch zu einem Juckreiz. Am Ende bleibt eine Narbe für immer. Grundsätzlich aber verlaufen solche Verletzungen vergleichsweise harmlos.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 50, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union, den Berlin Capitals und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen. Alle Folgen können Sie hier nachlesen. Wenn Sie selbst eine Frage zu einer Sportverletzung an Dr. Dolla haben, schicken Sie uns bitte eine Mail an sport@tagesspiegel.de.

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