Dr. Dollas Diagnose (134) : Was ist die Syndesmose?

Änis Ben-Hatira wird in diesem Jahr nicht mehr Fußball spielen können. Der tunesische Nationalspieler von Hertha hat einen Einriss der Syndesmose im rechten Knöchel erlitten. Er wird 14 Tage lang einen Gips tragen und wahrscheinlich vier bis sechs Wochen pausieren müssen. Was ist die Syndesmose?

Dr. Thorsten Dolla
14 Tage Gips. Änis Ben-Hatira. Foto: Imago
14 Tage Gips. Änis Ben-Hatira.Foto: Imago

Änis Ben-Hatira wird in diesem Jahr nicht mehr Fußball spielen können. Der tunesische Nationalspieler von Hertha BSC hat einen Einriss der Syndesmose im rechten Knöchel erlitten. Er wird 14 Tage lang einen Gips tragen und wahrscheinlich vier bis sechs Wochen pausieren müssen. Was ist die Syndesmose?
Das obere Sprunggelenk, eines der am stärksten belasteten Gelenke des menschlichen Körpers, wird durch den unteren Teil des Schienbeins (Tibia), des Wadenbeins (Fibula) und Sprungbein (Talus) gebildet. Der Innen-und Außenknöchel werden durch komplexe Kapsel-Bandstrukturen und die Syndesmose zusammengehalten und damit stabilisiert. Die Syndesmose ist somit eine Bandstruktur, die sich zwischen Schienbein und Wadenbein befindet.
Syndesmosenverletzungen treten nach dem Umknicken des Fußes isoliert, in Kombination mit einer Kapsel-Bandverletzung oder als Begleitverletzung bei einer Sprunggelenksfraktur auf. Die Diagnose wird nach einer Röntgenaufnahme und einer Magnetresonanztomografie (MRT) gestellt.

Thorsten Dolla. Foto: promo
Thorsten Dolla.Foto: promo


Die Therapie kann operativ oder konservativ durchgeführt werden. Bei einer operativen Versorgung wird eine Syndesmosenstellschraube eingebracht. Diese Schraube hält den Abstand zwischen Schienbein und Wadenbein. Eine Belastung des Sprunggelenkes ist bis zur Entfernung der Schraube nach ca. sechs Wochen nicht möglich. Bei konservativer Behandlung wird das Sprunggelenk zu Beginn der Verletzung mit einer Schiene oder mittels Gips für bis zu vier Wochen ruhiggestellt. Anschließend erfolgt dann eine physiotherapeutische Nachbehandlung.
Nach sechs bis acht Wochen ist eine vollständige narbige Struktur entstanden und eine zunehmende Belastung kann erfolgen. Kommt es bei Verletzungen des Sprunggelenkes zu verbleibenden Instabilitäten oder zu Inkongruenzen ist das Auftreten einer Arthrose im Sprunggelenk möglich.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 50, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union, den Berlin Capitals und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen. Alle Folgen können Sie hier nachlesen. Wenn Sie selbst eine Frage zu einer Sportverletzung an Dr. Dolla haben, schicken Sie uns bitte eine Mail an sport@tagesspiegel.de.

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