Dr. Dollas Diagnose (136) : Was tun bei einem Beckenbruch?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich im Winterurlaub beim Langlaufen einen Beckenbruch zugezogen. Unser Kolumnist erklärt, wie es zu dieser äußerst schmerzhaften Verletzung kommt und wie sie behandelt wird.

Dr. Thorsten Dolla
Da hilft auch kein Beckenbauer mehr. Physiotherapie und Gehstützen sind schon eher geeignet.
Da hilft auch kein Beckenbauer mehr. Physiotherapie und Gehstützen sind schon eher geeignet.Foto: Imago

Eine Beckenfraktur ist in der Regel die Folge einer starken Gewalteinwirkung. Mit zunehmendem Alter steigt das Bruchrisiko auch für starke Knochen, sodass Teile des Beckens auch bei einem harmlosen Sturz Schaden nehmen können.

In jedem Fall ist eine Prellung und ein angebrochener Knochen des hinteren Beckenrings sehr schmerzhaft. Das Becken wird von Schambein, Sitzbein, Darmbein und Kreuzbein gebildet. Bei der Kraftübertragung von den Muskeln der Wirbelsäule auf die unteren Extremitäten hat beispielsweise das Sitzbein eine zentrale Bedeutung. Weiterhin hat das Becken eine Schutzfunktion für die inneren Organe, für Gefäße und auch Nerven.

Bei einem Bruch des Beckens gibt es unterschiedliche klinische Einteilungen: Grundsätzlich unterscheidet man stabile von instabilen Frakturen. Während bei instabilen Beckenfrakturen - die häufig bei schweren Verkehrsunfälle auftreten - eine operative Versorgung notwendig sein kann, wird eine stabile Fraktur konservativ versorgt. Die konservative Behandlung besteht in einer Physiotherapie, wobei muskuläre Entspannung und Mobilisation im Vordergrund stehen.

Bei vermehrten Schmerzen werden Schmerzmedikamente gegeben. Eine Entlastung des Beckens wird durch Liegen oder Gehstützen erreicht. Trotzdem ist die möglichst frühzeitige Mobilisation notwendig, damit es nicht zu einem Abbau der Muskulatur (Atrophie) kommt. Gleichzeitig ist es auch eine Thrombosevorsorge.

Im nächsten Weihnachtsurlaub kann dann wieder schmerzfrei Skilanglauf gemacht werden. Denn Bewegung in der Natur ist gesund.

Dr. Thorsten Dolla.
Dr. Thorsten Dolla.Foto: promo

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 50, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union, den Berlin Capitals und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen. Alle Folgen können Sie hier nachlesen. Wenn Sie selbst eine Frage zu einer Sportverletzung an Dr. Dolla haben, schicken Sie uns bitte eine Mail an sport@tagesspiegel.de.

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