• Dr. Dollas Diagnose (146): Holger Badstuber und Sami Khedira: Wenn die Muskeln streiken

Dr. Dollas Diagnose (146) : Holger Badstuber und Sami Khedira: Wenn die Muskeln streiken

Nach Sami Khedira hat es auch Holger Badstuber schon wieder erwischt. Ob schwere Verletzungen den Körper verletzungsanfälliger machen, erklärt Sportmediziner Dr. Dolla in seiner aktuellen Kolumne.

Holger Badstuber.
Holger Badstuber.Foto: dpa

Die erneute Verletzung von  Holger Badstuber war die unschöne Nachricht des Bundesligawochenendes. Der Fußball-Nationalspieler des FC Bayern München erlitt einen Muskelsehnenriss im linken Oberschenkel. Badstuber muss operiert werden und wird erneut lange ausfallen.  Gerade erst hatte er sich nach zwei Kreuzbandrissen im rechten Knie und 20 Monaten Spielpause wieder zurückgekämpft. Auch Sami Khedira von Real Madrid, der im vorigen Herbst einen Kreuzbandriss erlitt und sich zur WM zurück auf den Rasen gekämpft hatte, musste in der Vorwoche erneut operiert werden. Khedira hatte einen  Muskelbündelriss erlitten. Machen schwere Verletzungen den Körper anschließend verletzungsanfälliger?

Die häufige Verletzungsanfälligkeit nach komplexen Sportverletzungen wie zum Beispiel eines Kreuzbandrisses ist in der Regel nicht die Folge einer unzureichenden Rehabilitation. Vielmehr wird nach einer erfolgreichen operativen Versorgung besonders im Leistungssport auch sehr zeitintensiv eine Rehabilitation durchgeführt. Neben physiotherapeutischen Maßnahmen wird zusätzlich physikalische Therapie durchgeführt. Nach Abschluss des Reha-Programms wird mit voller Belastungsmöglichkeit sportartspezifisch trainiert. Der Fußballspieler trainiert individuell auf dem Trainingsplatz, um koordinativ die gewohnten Bewegungsmuster wieder abzurufen. Weiterhin werden Leistungstests durchgeführt. Das sind Laktattest, Krafttest sowie sportartspezifische Koordinationstests. Nach Rücksprache mit dem Mannschaftsarzt wird der Spieler zunehmend im Mannschaftstraining integriert. Sind die Trainingsleistungen zufriedenstellend, erfolgt das erste Pflichtspiel des Spielers.

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.
Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.Foto: promo


 Da für den Mannschaftserfolg die maximale Leistung jedes einzelnen Spielers nötig ist, wird diese auch gefordert. Doch wann ist diese Leistung dem Rekonvaleszenten möglich?
 Immer wieder kommt es nach der Aufnahme des normalen Wettkampfrhythmus zu Muskelverletzungen - trotz optimaler Vorbereitung! Grund dafür ist möglicherweise, dass zwar Schmerzfreiheit und volle Belastbarkeit erreicht wurden, aber noch nicht alle Bewegungsmuster harmonisieren. Unbewusste und kaum sichtbare Entlastungsmechanismen führen zu einer Fehlinnervation der peripheren Muskulatur und so letztendlich zu einer Überbelastung. Folge sind Muskelverletzungen, die unterschiedlich stark ausfallen können.


 Nicht zu unterschätzen ist auch die individuelle mentale Verfassung des Sportlers. Schwere Verletzungen und lange Rekonvaleszenzen bedeuten eine Unterbrechung der Karriere, der Stammplatz kann verloren gehen. Im schlimmsten Fall droht Invalidität. Manche Sportler können die Angst vor einer erneuten Verletzung nicht ausblenden. Ihnen fällt es besonders schwer, wieder „volles Risiko“ zu gehen. Wer es dennoch versucht und dabei angespannt ist, beansprucht seine Muskeln überdurchschnittlich. Darum ist eine mentale Betreuung für Profisportler nach schweren Verletzungen mit ausschlaggebend für den langfristigen Heilungserfolg.

 

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 50, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union, den Berlin Capitals und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen. Alle Folgen können Sie hier nachlesen. Wenn Sie selbst eine Frage zu einer Sportverletzung an Dr. Dolla haben, schicken Sie uns bitte eine Mail an sport@tagesspiegel.de.

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