Dr. Dollas Diagnose (32) : Zigaretten bald auf der Dopingliste?

Auch unter Leistungssportlern ist Nikotinsucht offenbar ein weit verbreitetes Übel. Jetzt schaltet sich die Welt-Doping-Agentur ein. Sind Zigaretten und Kaffee Dopingstoffe?

von
Besser nicht. Nikotin ist für den Körper schädlicher als die eventuelle Gewichtszunahme nach dem Aufhören.
Besser nicht. Nikotin ist für den Körper schädlicher als die eventuelle Gewichtszunahme nach dem Aufhören.Foto: dpa

Die Welt-Doping-Agentur hat gerade das Rauchen unter Doping-Verdacht gestellt. Bei Fußballern wurden in 19 Prozent der untersuchten Urinproben Spuren von Nikotin gefunden. Bei der Eishockey-WM 2009 in der Schweiz waren fast die Hälfte der Spieler Raucher oder Nikotinnutzer. Macht es wirklich Sinn, Nikotin und somit Rauchen bald auf die Dopingliste zu setzen?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Rauchen die Wachheit und das kognitive Vermögen steigert. Somit steigert man die Leistungsfähigkeit des Sportlers. Weiterhin könne Stress mit Nikotin besser bewältigt werden und Gewicht abgebaut werden. Die vermeintlich leistungssteigernden Eigenschaften des Rauchens führen dazu, dass die Wada künftig weitere Erkenntnisse über Nikotin gewinnen möchte. Damit steht Nikotin aber noch nicht auf der Dopingliste.

Kann man denn die vermeintlichen Grundrechte eines Leistungssportlers soweit einschränken, dass das Genussmittel Zigarette nicht mehr geraucht werden kann? Spätestens jetzt muss man auf die negativen Wirkungen der Zigarette hinweisen. Laut WHO sterben im Jahr weltweit fünf Millionen Menschen an den folgen des Tabakkonsums. Die Lebenserwartung sinkt statistisch gesehen um ca. 20 Minuten pro Zigarette. Nikotin ist ein Gift und eine Droge. Es führt zum Anstieg des Blutdruckes sowie der Herzfrequenz. Weiterhin kann es die peripheren Gefäße verengen. Folge ist die verminderte Durchblutung von Gewebe mit der Folge eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles.

Die jetzt einsetzende Diskussion erinnert mich an jene, die um das Verbot von Koffein geführt wurde. Zwar steht Koffein nicht auf der aktuellen Verbotsliste, aber die Wada denkt über ein erneutes Verbot nach, zumal es immer wieder zu Fällen kommt, in denen Sportler in Folge übermäßigen Koffeinkonsums gesundheitliche Schäden riskieren.

Ein sportlicher Wettkampf muss fair bleiben. Damit darf es nicht möglich sein, sich Stoffe oder Substanzen aufgrund der leistungssteigernden Eigenschaften vermehrt zuzuführen, die jedoch nachweislich gesundheitsschädlich sind. Nikotin ist so ein Stoff. Es kann nicht sein, das jeder Sportler der wettbewerbsfähig bleiben möchte, entweder raucht oder ein Nikotinpflaster am Körper zu kleben hat. Der Preis für sportlichen Erfolg im jugendlichen Alter kann nicht der Herzinfarkt mit 40 Jahren sein.

Autor

21 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben