Dr. Dollas Diagnose (94) : Warum im Winter im Süden trainiert wird

Katar, die Emirate, Spanien oder die Türkei. Die Fußball-Bundesligisten zieht es in der Vorbereitung auf die Rückrunde zu den üblichen Zielen in sonnige Gefilde. Sportmediziner Dr. Dolla erklärt, warum das so ist.

Dr. Thorsten Dolla
Unter Palmen. Frank Baumann hatte als neuer Sportdirektor die Mannschaft von Werder Bremen zu einem Trainingslager in Belek (Türkei) begleitet. Foto: dpa
Unter Palmen. Frank Baumann hatte als neuer Sportdirektor die Mannschaft von Werder Bremen zu einem Trainingslager in Belek...Foto: dpa

Die Notwendigkeit eines Wintertrainingslagers der Fußballspieler wird von Jahr zu Jahr kontrovers diskutiert. Eigentlich ist die Winterpause nicht sehr lang und die Spieler sind nach der Hinrunde körperlich in einem guten Zustand. Auch hat sich die Mannschaft nach den Neuverpflichtungen des verganegen Sommers gefunden; man hat gelernt miteinander umzugehen, das soziale Klima ist intakt.

Trotzdem muss berücksichtigt werden, dass Fußballer verglichen mit anderen Sportarten eine sehr lange Saison haben. Das hat auch einen physischen und psychischen Verschleiß zur Folge. Es ist gut, dass der Profi in der Winterpause einmal den Fußball vergisst. Sogar der Fußballfan braucht eine mentale Auszeit.

Nachdem die Spieler in der Weihnachtspause athletisch individuell trainiert haben, wird im Trainingslager mit dem Feinschliff begonnen. Natürlich gehört neben den Laufeinheiten auch das taktische Training und das Spiel mit dem Ball dazu. Nicht selten gab es im Januar aber nicht nur extreme Kälte, sondern auch Schnee. Ein Training kann dann auch wegen der Platzverhältnisse nur in der Halle stattfinden.

Manches Mal aber hat ein Trip in den Süden ganz andere Gründe. Der FSV Mainz fliegt nur deshalb für vier Tage nach Spanien, weil dort viele Erstligisten anderer europäischer Ligen als Testspielpartner zur Verfügung stehen. Man findet dort auf kurzem Weg das Gegnerniveau, dass sich ein Bundesligatrainer vorstellt.

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla. Foto: promo
Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.Foto: promo

Ein Trainingslager im Süden bringt dagegen klimatische Vorteile. Es ist wärmer, die Sonne scheint, man kann auf präparierten Plätzen gut trainieren. Die Gefahr einer Grippe ist reduziert. Und nicht zu vergessen: Das Gemüt ist in der Sonne gewöhnlich besser gestimmt als im grauen, tristen und nasskalten Alltag.

Natürlich ist ein Trainingslager ob in Südspanien, Portugal, der Türkei oder am Golf kein Erholungsurlaub. Vielmehr ist das Trainingslager körperlich sehr anstrengend. Nach jeder Belastung ist eine Regeneration sehr wichtig. Dazu gehört nicht nur der morgendliche Strandlauf, sondern auch die medizinische Behandlung, der Saunagang und das Gespräch mit den Mitspielern. Auch für das Trainer- und Betreuerteam besteht täglich die Möglichkeit, in ruhiger Atmosphäre Gespräche mit den Spielern zu führen.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen. Alle Folgen können Sie hier nachlesen.

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