Drama im Stabhochsprung : Silke Spiegelburg und der verdammte vierte Platz

Silke Spiegelburg springt so hoch wie noch nie in diesem Jahr – und geht wie immer bei Großveranstaltungen leer aus. Gold holt Russlands Star Jelena Issinbajewa, die sich danach in die Babypause verabschiedet.

Reinhard Sogl
Hart gelandet. Silke Spiegelburg sprang Saisonbestleistung und wurde dafür doch nicht mit einer Medaille belohnt. Foto: dpa
Hart gelandet. Silke Spiegelburg sprang Saisonbestleistung und wurde dafür doch nicht mit einer Medaille belohnt. Foto: dpaFoto: dpa

Silke Spiegelburg suchte einfach nur Trost bei ihrem Coach. Während die russische Stabhochspringern Jelena Issinbajewa ihre Ehrenrunde durch das Moskauer WM-Stadion drehte, brach die deutsche Rekordhalterin in Tränen aus. Erneut hatte Spiegelburg nur den vierten Platz in einem großen Finale belegt, genau wie im vergangenen Jahr bei den Olympischen Spielen und bei der EM in Helsinki. Trotz Saisonbestleistung von 4,75 Metern und bis dahin ohne Fehlversuch verpasste die Leverkusenerin die erste globale Medaille ihrer Karriere. „Eben kamen überhaupt keine Tränen, dann kamen wieder Tränen“, sagte Spiegelburg. Und: „Ich kann mir nichts vorwerfen, das einzige ist: Ich hätte ein bisschen ruhiger bei 4,82 Metern sein müssen. Da war ich vielleicht ein bisschen hibbelig.“ Wenig später wurde dann noch einmal deutlich, wie sehr der Wettkampf an ihren Nerven gerüttelt hatte, als sie sich im ZDF-Interview weigerte, die Platzierung auch nur auszusprechen. „Schon wieder dieser Platz!?“

Issinbajewa, die Ikone der russischen Leichtathletik, drehte derweil fröhlich ihre Runden. Nachdem sie die Weltrekordhöhe von 5,07 Metern zum dritten Mal gerissen hatte, lief Issinbajewa schnurstracks zu Jewgeni Trofimow und drückte ihren Trainer und väterlichen Freund lange und innig. Dann schnappte sich die 31-Jährige eine russische Fahne und machte sich unter frenetischen Jubelrufen im gut gefüllten Luschniki-Stadion auf zur Kür, an deren Ende die Weltmeisterin vor 60 000 Landsleuten eine emotionale Rede hielt. „Sbasibo“", sagte Issinbajewa – und verabschiedete sich mindestens bis 2015 in eine Babypause.

Es war der von Jelena Issinbajewa erwartete nostalgische Abend, der bei ihrem ersten Wettkampf in Moskau seit 15 Jahren mit einem Sieg endete. Mit erfolgreich überquerten 4,89 Metern wurde die Frau, die in ihrer Karriere 30 Weltrekorde aufgestellt und zwei olympische Goldmedaillen gewonnen hat, nach 2005 und 2007 zum dritten Mal Weltmeisterin. Sie hielt dem Druck stand, der als Gesicht dieser WM auf ihren schmalen Schultern lastete. Als nach Olympiasiegerin Jennifer Suhr aus den USA auch die in London vor Issinbajewa mit Silber dekorierte Kubanerin Yarisley Silva an der Siegeshöhe scheiterten, erschütterte der Aufschrei der Begeisterung die altehrwürdige Arena in ihren Grundfesten.

Issinbajewa hielt dagegen ihre Anspannung im Zaum. Sie riss zwar gleich ihre Anfangshöhe von 4,65 Metern und brauchte auch bei 4,82 einen zweiten Versuch, dann aber demonstrierte sie mit dem Sprung über 4,89 Meter ihre alte Klasse. Sollte sie das Niveau nach ihrer Babypause wieder erreichen, will die Multi-Millionärin aus Wolgograd, die nach Jahren in Monte Carlo ihren Wohnsitz wieder in die Heimat verlegt hat, ihren Titel 2015 verteidigen. Und an Olympia ein Jahr später in Rio will sie auch noch teilnehmen. Spätestens dann ist für die mehrmalige Welt-Leichtathletin wohl endgültig Schluss.

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