Sport : Drama in letzter Runde

Der Motorrad-Pilot Sandro Cortese verpasst den vorzeitigen WM-Titelgewinn durch einen Sturz.

Stehaufmännchen. Sandro Cortese stieg nach seinem Sturz wieder aufs Motorrad und wurde noch Sechster. Foto: AFP
Stehaufmännchen. Sandro Cortese stieg nach seinem Sturz wieder aufs Motorrad und wurde noch Sechster. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Nach dem Zielstrich tobte Sandro Cortese auf seiner KTM wie Rumpelstilzchen. Der deutsche Motorrad-Pilot war außer sich vor Wut. Vier Kilometer vor dem Ziel des Grand Prix von Japan in Motegi war er praktisch schon Weltmeister in der Moto-3-Klasse gewesen. Doch dann kollidierte er im Positionskampf um den Sieg mit dem Italiener Alessandro Tonucci. Während er über den Asphalt rutschte, fuhr ihm Tonucci noch in den relativ ungeschützten Rücken, doch Cortese hatte Glück und wurde nicht verletzt. Geistesgegenwärtig hielt er sein Motorrad fest und gab immer wieder Zwischengas, um den Motor nicht abzuwürgen. Dann sprang er wieder auf und rettete Platz sechs ins Ziel, während der Spanier Maverick Viñales glücklicher Zweiter wurde und den WM-Rückstand auf den Berkheimer wieder etwas verkürzte. 56 Punkte hat Cortese nun vor den letzten drei Rennen Vorsprung in der Gesamtwertung und kann nächste Woche den Titelgewinn in Malaysia perfekt machen.

„Etwas Respekt vor mir hätten sie schon zeigen können. Ich finde es schade, wie die beiden attackiert haben“, schimpfte Cortese zunächst über Tonucci und den späteren Sieger Danny Kent, seinen Teamkollegen, der am Unfall jedoch völlig unbeteiligt war. Eine Order, die Cortese schützen und bevorteilen sollte, hatte Teamchef Aki Ajo auch nicht ausgegeben, lediglich darum gebeten, nichts Unvernünftiges zu tun.

Nachdem die erste Wut verraucht war, entschuldigte sich Cortese für seine Schimpftirade. „Mein Verhalten heute tut mir sehr leid. Ich habe überreagiert. Ich habe gesehen, dass ich schon den Titel gewinnen kann, und war dann enttäuscht darüber, was passiert ist“, twitterte der WM-Spitzenreiter. „Ich hoffe, einige Leute verstehen ein wenig, wie ich mich gefühlt habe. Du arbeitest dein ganzes Leben dafür und von einer Sekunde auf die andere verlierst du das. Natürlich gratuliere ich Danny Kent zu seinem ersten Sieg.“

Cortese war angesichts des greifbar nahen WM-Pokals schon vor dem Start unruhiger gewesen als sonst. Zunächst fuhr er abwartend, um sich im zweiten Abschnitt dann aber im Stile eines Klassefahrers bis ganz nach vorn zu arbeiten. Am Unfall trug er aber eine Mitschuld, weil er die Kontrolle über sein Motorrad verlor. „Ich war nah dran am Titel und hoffe nun, dass es vielleicht nächste oder übernächste Woche klappt“, sagte er.

Cortese war nicht das einzige prominente deutsche Unfallopfer in der letzten Runde. Kurz zuvor hatte es auch Jonas Folger erwischt. Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt geführt und fuhr seinem dritten Sieg entgegen. Doch Corteses bislang ärgster Verfolger in der WM-Wertung, Luis Salom, hatte etwas dagegen. Völlig übermotiviert griff der Mallorquiner an und räumte Folger ab. Der konnte sich im Kiesbett nur mit Mühe beherrschen, um Salom nicht in eine Schlägerei zu verwickeln. „Die Attacke war völlig übertrieben“, sagte der Bayer, nachdem er sich wieder ein wenig beruhigt hatte. „Da hat er sein Hirn ausgeschaltet, das sollte man nicht machen. Ich war am Sieg dran, nur leider wurde ich abgeschossen.“

Ein wenig ruhiger verlief der Tag für Stefan Bradl in der höchsten Klasse MotoGP. Der Honda-Pilot aus Zahling fuhr ein einsames Rennen, ohne den Anschluss nach vorn herstellen zu können und wurde am Ende Sechster. Während des gesamten Wochenendes hatte er mit Bremsproblemen zu kämpfen, die ihm auch schon im Qualifying einen Sturz und lediglich Platz acht beschert hatten. Den Sieg sicherte sich der Spanier Daniel Pedrosa vor seinen Landsleuten Jorge Lorenzo und Alvaro Bautista. Lorenzo hat in der Gesamtwertung noch 28 Punkte Vorsprung vor Pedrosa. Tsp/dpa

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