Sport : Dramatik zum Dritten

Peter John Lee, Manager in Diensten des EHC Eisbären, hatte sich vor der zweiten Berliner Exkursion in den Playoffs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) optimistisch gegeben. "In Mannheim haben wir wieder Auswärtsvorteil", hatte Lee gesagt. Damit hatte der Kanadier auf die Auswärtsstärke seiner Mannschaft angespielt, die zuvor in der Viertelfinal-Serie gegen die Mannheimer Adler für die Berliner zum Tragen gekommen war. Rund 300 Eisbären-Fans gaben sich gestern auch alle Mühe, 7000 Mannheimer im Mannheimer Friedrichspark zu übertönen. Den akustischen Vorteil hatten die Eisbären also, es nützte ihnen aber am Ende wenig: Die Berliner verloren 3:4 (0:1, 1:1, 2:1/0:0/0:1) nach Penaltyschießen. Devin Edgerton schoss das entscheidende Tor für Mannheim, nachdem die zwanzigminütige Verlängerung torlos geblieben war. Damit führen die Adler in der nach dem Modus "Best-of-five" gespielten Serie mit 2:1.

Das kuriose am gestrigen Spiel war vor allem, dass die Berliner ihre drei Tore während der regulären Spielzeit allesamt in Unterzahl erzielten. Dabei hatten die Eisbären doch den vor der Partie postulierten Wunsch ihres Trainers beherzigen und sich auch bei gleicher numerischer Stärke beider Teams ihre Chancen erspielen wollen. "Schießen aus allen Lagen" - hatte Pierre Pagé gefordert und dies setzten seine Spieler nur selten in die Tat um.

Aber auch Mannheim stellte sich ungeschickt an. So überstanden die Eisbären im ersten Drittel gleich drei Situationen in Unterzahl ohne Schaden. Dass die Adler nach 14 Minuten in Führung gingen, lag allein daran, dass sich einige Spieler der Berliner in einem kritischen Moment im Berliner Drittel eine Auszeit gönnten: Scott Levins hechelte seinem Mannheimer Gegenspieler Steve Junker nur im Zeitlupentempo hinterher. Junker wusste die Freiheit zu nutzen und überwand Eisbären-Keeper Richard Shulmistra.

Die Mannheimer Führung war nach dem ersten Drittel nicht unverdient, allerdings versäumten es die Adler nach dem 1:0, den Gegner weiter unter Druck zu setzen. Ähnliches musste auch den Eisbären attestiert werden. Nachdem Mannheims Verteidiger Yves Racine im zweiten Drittel gleich für vier Minuten auf die Strafbank musste, kamen die Berliner im Überzahlspiel gerade mal auf einen Torschuss. Dafür klappte es dann bei den Berlinern in numerischer Unterlegenheit um so besser: Marc Fortier nutzte in der 36. Minute einen Konter zum 1:1. Steve Walker hatte seinen Kapitän mit einem langen Pass in Szene gesetzt.

Der Ausgleichstreffer der Eisbären sollte schnell in Vergessenheit geraten, denn mit der Schlusssirene des zweiten Drittels erzielte Racine das 2:1 für Mannheim. Die Eisbären wähnten sich zu diesem Zeitpunkt in der Kabine, kein Berliner machte Anstalten, den Schützen zu bedrängen. Das Schockerlebnis verarbeiteten die Eisbären in der folgenden Pause offensichtlich gut. Nur 65 Sekunden nach Wiederbeginn war wieder Fortier zur Stelle.

Nach 51 Minuten gelang den immer stärker werdenden Eisbären durch Ed Patterson nach einem Konter sogar das 3:2. Überflüssig zu erwähnen, dass die Berliner auch dieses Tor in Unterzahl schossen. Die Freude über den Führungstreffer war bei den Eisbären nur von kurzer Dauer. Nur 14 Sekunden später erzielte Stefan Ustorf den Ausgleich. Das sollte es in der regulären Spielzeit gewesen sein. Die hart umkämpfte Extraschicht blieb allerdings torlos. Die Entscheidung musste im Penaltyschießen gefunden werden. Und da setzte Edgerton den Schlusspunkt unter ein Spiel, das noch dramatischer verlief als die beiden ersten Partien zwischen Eisbären und Mannheim.

Die Eisbären hatten das erste Viertelfinalspiel in Mannheim am Freitag 3:2 gewonnen und am Sonntag in Berlin mit 2:3 den Kürzeren gezogen. Nun sind die Berliner bei ihrem Heimspiel am Donnerstag unter Zugzwang: Bei einer weiteren Niederlage der Eisbären hätten die Mannheimer die Serie mit einem dritten Sieg für sich entschieden und stünden im Halbfinale.

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