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Dramatische Momente des Sportjahres : Lance Armstrong: Die gelöschte Ikone

28.12.2012 11:38 Uhrvon
Trotz erdrückender Beweise für seine Doping-Schuld, beteuert Lance Armstrong weiterhin seine Unschuld. Für den internationalen Radsport war das Jahr 2012 ein Fiasko - an den Strukturen wird sich dennoch nichts ändern.Bild vergrößern
Trotz erdrückender Beweise für seine Doping-Schuld, beteuert Lance Armstrong weiterhin seine Unschuld. Für den internationalen Radsport war das Jahr 2012 ein Fiasko - an den... - Foto: dpa

Er war einst der erfolgreichste Radfahrer in der Geschichte - im Herbst 2012 aber wurden Lance Armstrong alle Tour de France-Titel aberkannt. Das System Radsport wird dennoch das Selbe bleiben

Das Jahr geht zu Ende – Zeit zum Zurückschauen und Nachvornedenken. In einer kleinen täglichen Serie erinnern wir an dramatische Momente des Sportjahres. Und fragen uns, was aus ihnen folgt. Heute: der Moment, als Lance Armstrong als Held fiel. Und die These unseres Experten, warum sich der Radsport trotzdem nicht ändert.

Manchmal zeigt sich erst lange Zeit später, ob die vermeintliche Befreiung auch wirklich eine ist. Fast alle schienen darauf gewartet zu haben, dass der Alleinherscher seine Macht verliert, und als Radsport-Imperator Lance Armstrong im Sommer des Dopings überführt wurde, war das „Endlich“ jeder Meldung zum Stand des Verfahrens und jeder Äußerung dazu deutlich anzumerken.

Endlich war durch die Untersuchung der amerikanischen Anti-Doping-Behörde offiziell geworden, was sowieso alle immer gewusst hatten, endlich war die unsympathische Ikone keine mehr. Dieser Moment war einer, der das Ende eines langen Prozesses markierte.

Vor zwei Monaten fiel das vermeintlich finale Urteil in der vielleicht größten Betrugsaffäre der Sportgeschichte, Armstrong verlor seine sieben Titel bei der Tour de France. Jan Ullrich und andere mögliche Nachrücker wollten diese Titel nicht, der Radsport-Weltverband UCI mochte sie ohnehin nicht neu vergeben und diese Jahre am liebsten aus dem kollektiven Gedächtnis löschen. „Lance Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport. Er hat es verdient, vergessen zu werden“, sagte UCI-Präsident Pat McQuaid. Aber die Causa Armstrong ist noch nicht vorbei. Sein ehemaliger Teamkollege Tyler Hamilton hat Angst vor der Rache Armstrongs, den er als einer von vielen mit seiner Aussage schwer belastet hatte. Der verschickt derweil Fotos, die ihn gemütlich auf der Couch zeigen, die Gelben Trikots von der Tour prangen über ihm hinter Glas an der Wand. Die „Sunday Times“ (wie auch viele ehemalige Sponsoren) verklagt den Texaner, weil sie 2004 behauptet hatte, dass Armstrong dopt und deshalb einen Veleumdungsprozess verlor. Und die UCI muss sich mit einer Oppositionsgruppe um den einstigen Tour-Sieger Greg LeMond beschäftigen, deren bloße Existenz schon einer Revolution gleichkommt.

Das alles sind Meldungen der vergangenen Tage, deren Zahl frühestens nach dem kommenden Showdown abnehmen wird: wenn Armstrong in den USA unter Eid ausgesagt haben wird oder eben nicht. Danach dürfte es ruhiger werden. Einschneidende Veränderungen sind im Weltradsport nicht zu erwarten, zu lange schon beschäftigt sich das System vor allem mit sich selbst, als dass auch der größte anzunehmende Skandal nennenswerte Reformen nach sich ziehen würde.

Der Radsport schiebt die Jahre mit den Triumphen Armstrongs in eine ferne Vergangenheit, und die ausbleibenden Konsequenzen deuten darauf hin, dass dies gelingen wird. Vielleicht deshalb, weil Lance Armstrong nur in gewisser Weise ein weiterer in der langen Liste erwischter Doper ist und sein Sportbetrugssystem vielleicht einzigartig weil besonders ausgeprägt organisiert, aber ansonsten gar nicht so besonders war.

Lesen Sie morgen: Der Moment, in dem Sebastian Vettel im Formel-1-Finale plötzlich Letzter war.

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