Dramatisches Rennen : Britta Steffen sprintet zum Gold

Britta Steffen gewinnt Gold über 100 Meter Freistil. In einem dramatischen Rennen wendet die Berliner Schwimmerin nach 50 Metern als Letzte und erkämpft sich den Olympia-Sieg mit einem brillanten Endspurt. Das Rennen, die Stimmen, die Bilder.

Friedhard Teuffel[Peking]
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Nach dem großen Sieg. Britta Steffen jubelt.Foto: AFP

So hört sich Genuss an. "Es ist ein wunderschönes Gefühl. Ich bin so perplex und freue mich jetzt auf die Telefonate mit meiner Familie und meinem Freund", sagte Britta Steffen. Und so sieht Genuss aus: Die Augen schließen, tief durchatmen und lächeln. Es ist der Moment, bevor Britta Steffen aufs Siegerpodest steigt, als letzte, denn sie bekommt die größte Auszeichnung, die olympische Goldmedaille. Ein ruhiger Moment nach einem elektrisierenden Rennen.

Nach 50 Metern Letzte. Nach 100 Metern Freistilschwimen Erste. Das ist der Rennverlauf in Kürze. Was wie eine verzweifelte  Aufholjagd erschien, war jedoch wohl in Wirklichkeit ein durchgeplantes Rennen. "Ich wollte mich vom hohen Tempo der anderen nicht beeinflussen lassen", sagte Britta Steffen. Die Australierin Lisbeth Trickett war ihr zwischendurch schon fast davongeschwommen, sie hält den aktuellen Weltrekord und hatte ihn Britta Steffen abgenommen. Doch in diesem Rennen teilte sich Steffen ihre Kräfte besser ein.

"Noch ein guter Zug!"

Bei der Wende lag die neben ihr auf Bahn acht schwimmende Australierin fast eine Sekunde vor Steffen. Nach 75 Metern kam die Berlinerin jedoch an Trickett heran, wenige Meter vor dem Ziel lagen beide gleich auf. "Noch ein guter Zug, Britta, dann bist Du durch", sagte sie sich. Als sie anschlug schaute sie erst einmal nicht auf die Anzeigetafel. "Ich wollte mich einfach nur freuen, weil ich so ein super Rennen geschwommen bin. Im ersten Moment wäre es mir da sogar egal gewesen, wenn es nicht zu einer Medaille gereicht hätte", sagte die 24-Jährige, "dann habe ich mich umgedreht und alles war schön."  

Die Anzeigetafel erzählte ihr, dass sie Olympiasiegerin ist, mit einer Siegerzeit von 53,12 Sekunden, nur vier Hunderstel vor Tricket. Dritte wurde die Amerikanerin Natalie Coughlin in 53,39 Sekunden.  Es ist die erste Goldmedaille für die deutschen Schwimmer, seitdem Dagmar Hase 1992 in Barcelona das Rennen über 400 Meter Freistil gewonnen hatte. Außerdem lässt es die Bilanz der deutschen Schwimmer in Peking besser aussehen, die bis dahin gar keine Medaille gewonnen hatten. 

Britta Steffens Trainer Norbert Warnatzsch war hinterher gar nicht so überrascht von der Goldmedaille, der etwa auch die von ihm trainierte Franzsika van Almsick immer hinterhergeschwommen war: "Ich wusste, was sie konnte. Ihr Finish war vom Allerfeinsten."

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