Sport : Drang nach Verantwortung

Schweinsteiger überzeugt als Kapitän, will Ballack den Posten aber nicht streitig machen

Gregor Derichs[Port Elisabeth]

Bastian Schweinsteiger durfte schon vor dem Anpfiff seine Lieblingsrolle einnehmen: Er führte die Nationalelf aufs Spielfeld. Den 25-Jährigen drängt es regelrecht in die Verantwortung. Seine spielerische Klasse zeigte der Münchner beim Spiel um Platz drei. Beim 3:2 gegen Uruguay bereitete er die Führung mit einem Schuss aus 30 Metern vor, aber dann unterlief ausnahmsweise ihm ein verhängnisvoller Fehler, mit dem er den Gegentreffer zum 1:1 einleitete. Seine Ausnahmestellung, die er in Südafrika übernahm, bestätigte Schweinsteiger aber auch am Sonnabend.

Schweinsteiger möchte gerne ein richtiger Weltstar werden und ist zweifellos auch auf dem Weg dahin. Die Binde des Kapitäns trug er sehr gerne, die Stellvertreterrolle für Philipp Lahm, der gegen Uruguay wegen eines grippalen Infekts ausfiel, ist ihm eigentlich nicht genug. Den Kollegen vom FC Bayern München schätzt Schweinsteiger, aber Lahm ist für ihn auch ein Konkurrent in der oberen Hierarchieebene. Die Ansprüche von Lahm, der anstelle des verletzten Michael Ballack die Chefrolle von Joachim Löw übertragen bekommen hatte, auch nach der WM 2010 das Sagen zu haben, durchkreuzte Schweinsteiger rüde. Drei Tage nach Lahms Machtanspruch sprach er sich für eine Rückkehr von Ballack als Kapitän aus.

„Michael ist Kapitän dieser Mannschaft, und wenn er zurückkommt, wird er auch wieder die Binde tragen“, sagte Schweinsteiger in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Es war durchaus ein Affront gegen den ein Jahr älteren Lahm. „Zwei Kapitäne, das wäre einer zu viel auf dem Platz. Für mich ist Ballack der Kapitän dieser Mannschaft“, erklärte der defensive Mittelfeldspieler. „Philipp hat nur wegen Michaels Verletzung das Amt übernommen und seine Sache gut gemacht.“ Es ist bekannt, dass Schweinsteiger selbst gerne Kapitän geworden wäre. Doch Löw zog Lahm vor, lobte allerdings danach häufiger Schweinsteiger als seinen wichtigsten Spieler bei der WM 2010, als „Herz und Motor der Mannschaft“, der „für Symmetrie und Ordnung“ sorge. Besonders die Bezeichnung, Schweinsteiger sei der „emotionale Leader“ des Teams war ein Hinweis auf die herausragende Wirkung des 80-maligen Nationalspielers.

Lahm erweckte nach seinem Vorstoß gegen Ballack, der in dieser Woche überraschend das DFB-Team verlassen hatte, den Eindruck, er lege keinen großen Wert auf eine weitere Kollegenschaft mit dem Neu-Leverkusener Ballack. Er könne die Frage, ob Ballack nach der WM wieder zum Team gehören solle, weder mit „Ja noch mit Nein“ beantworten. Schweinsteiger äußerte eine klar abweichende Meinung dazu: „Michael ist verletzt und wird auf jeden Fall zurückkommen. Er ist sehr wichtig für uns.“

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