Sport : Draußen vor dem Tore

Bundestrainer Löw streicht Kevin Kuranyi aus dem Kader für die Weltmeisterschaft. Für Schalkes Stürmer ist es das zweite Mal, dass er ein Turnier verpasst

von
Trainer, warum? Kevin Kuranyi wird auch in naher Zukunft nur auf Archivfotos (hier aus dem Jahr 2007) im Nationaltrikot zu sehen sein. Foto: dpa
Trainer, warum? Kevin Kuranyi wird auch in naher Zukunft nur auf Archivfotos (hier aus dem Jahr 2007) im Nationaltrikot zu sehen...Foto: dpa

Berlin - Vergangenen Samstag saß Joachim Löw auf der Tribüne des Gelsenkirchener Fußballstadions und sah zu, wie Kevin Kuranyi eine große Torchance ausließ. Natürlich war das nicht der Moment, in dem für den Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft feststand, Kuranyi nicht zu berücksichtigen im vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft. Doch wenn Löw an diesem Donnerstag die Namen seiner Nominierten bekannt gibt, wird der des Schalker Stürmer fehlen.

Der 28-jährige Profi selbst hat sich gestern enttäuscht über seine Nichtnominierung gezeigt. „Wie jeder Fußballer habe ich schon als kleines Kind davon geträumt, an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu dürfen. Dieser Traum ist jetzt zum zweiten Mal geplatzt“, teilte der Angreifer des Tabellenzweiten FC Schalke 04 auf seiner Internetseite mit. Dort hieß es weiter: „Ich habe mein Bestes gegeben. Ich weiß, dass ich damals Mist gebaut habe, als ich gegen Russland das Stadion in der Halbzeit verlassen habe. Deshalb habe ich mich persönlich und öffentlich dafür entschuldigt. Und ich habe auch sportlich in dieser Saison alles gegeben.“

Am Montag hatte Löw dem Stürmer seine Absicht in einem längeren Telefongespräch mitgeteilt. Der Bundestrainer hätte dem Stürmer nach eigenen Worten die Stadionflucht vor anderthalb Jahren verziehen, doch für Kuranyis WM-Nominierung reichte das nicht.  „Der disziplinarische Vorfall im Oktober 2008 hat für mich letztlich keine Rolle mehr gespielt“, sagte Löw. Er sei mit seinem Trainerteam zu dem Ergebnis gekommen, „dass wir taktisch und personell andere Vorstellungen für die Zusammenstellung des WM-Aufgebots haben“. Dies habe er Kuranyi, „der eine starke Saison gespielt hat und den ich für einen charakterlich einwandfreien Profi halte, in aller Offenheit erörtert“, ließ Löw wissen.

Kevin Kuranyi hat in der Tat eine erfolgreiche Bundesligasaison gespielt. 18 Tore erzielte der frühere Stuttgarter Angreifer, das letzte am Ostersamstag gegen den FC Bayern. „Es ist schade für Kevin. Er hat eine starke Saison für Schalke gespielt und ich hätte ihm eine WM-Teilnahme gegönnt“, sagte der Schalker Vereinstrainer Felix Magath. „Die Entscheidung ist nun final. Und ich kann seine Enttäuschung verstehen.“

Bereits vor der Weltmeisterschaft 2006 hatten der Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein damaliger Assistent Löw den Angreifer in letzter Minute wegen unprofessioneller Einstellung aus dem WM-Kader gekippt. Dabei hatte seine Zeit als Nationalspieler unter Klinsmann direkt nach der verkorksten EM 2004 durchaus vielversprechend begonnen. In den ersten beiden Spielen in Wien (3:0) und in Berlin gegen Brasilien (1:1) schoss er alle vier deutschen Tore. Insgesamt erzielte Kuranyi in 52 Einsätzen 19 Treffer für Deutschland. Sein letztes Tor hatte er im August 2007 beim 2:1-Sieg in England erzielt. Gestern zeigte sich Kuranyi zwar traurig, aber auch gefasst. Er verzichtete auf böse Worte: „Leider hat es nicht gereicht. Aber das ist eine Entscheidung des Bundestrainers, die ich akzeptiere und respektiere.“

Dass Kuranyi nach wochenlangen Diskussionen doch dabei sein würde, erschien zuletzt durchaus möglich. Aber in den letzten Spielen ließ seine Form nach. Seit Anfang April hat der Schalker in der Bundesliga nicht mehr getroffen. Dieser Umstand als auch taktische Überlegungen haben jetzt für Bundestainer Joachim Löw den Ausschlag gegeben und nicht mehr der Vorfall aus dem Oktober 2008. „Es wäre für uns kein Problem gewesen, ihm trotzdem in der Nationalmannschaft eine neue Chance zu geben“, sagte Löw.

Der Bundestrainer hat jedoch in Stefan Kießling einen Stürmer zur Auswahl, der viele taktische und spielerische Ähnlichkeiten zu Kuranyi aufweist. Zumal der Leverkusener Stürmer seine Torausbeute zuletzt auf 21 Treffer ausbaute. 

Für das Weltmeisterschaftsturnier in Südafrika dürfte Löw auf die Stürmer Miroslav Klose, Mario Gomez und Thomas Müller vom FC Bayern sowie Lukas Podolski aus Köln und eben Kießling setzen. Der Stuttgarter Cacau besitzt auch noch Chancen, wenn etwa Podolski als Mittelfeldspieler nominiert wird. Kommenden Donnerstag wird Löw seinen vorläufigen Kader präsentieren. Er könnte mehr als 28 Namen umfassen, da für das erste Testspiel am 13. Mai in Aachen gegen Malta die Bremer und Münchner Nationalspieler wegen des Pokalfinales fehlen. Der endgültige WM-Kader mit 23 Spielern muss erst Anfang Juni gemeldet werden.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben