Draxler brilliert bei Schalke : Und Raffael schaut zu

Schalke 04 feiert nach dem Sieg in Wolfsburg seinen 19 Jahre alten Spielmacher Julian Draxler – der frühere Herthaner Raffael sieht dabei nur zu.

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So hat Raúl auch gejubelt. Schalkes Julian Draxler (links) sah sich vor seinen zwei Toren gegen Wolfsburg eine DVD mit den schönsten Toren seines Vorbilds an. Foto: dpa
So hat Raúl auch gejubelt. Schalkes Julian Draxler (links) sah sich vor seinen zwei Toren gegen Wolfsburg eine DVD mit den...Foto: dpa

Was macht eigentlich Raffael? Ist ein bisschen still geworden um den Brasilianer seit dem Wechsel im vergangenen Sommer von Hertha BSC zu Dynamo Kiew, wo er trotz des vielen Geldes nicht so richtig glücklich wurde und schnell wieder in der Bundesliga andockte. Am Samstag hat er mal wieder an der Berliner Peripherie gespielt. Das heißt: Gespielt hat sein neuer Klub Schalke 04. Raffael schaute 88 Minuten lang zu, aber als er kurz vor Schluss des Spiels beim VfL Wolfsburg rein durfte, wurde es in der VW-Arena so laut wie zuvor nur bei den vier Schalker Toren. Das blau-weiße Volk johlte und sang und schrie, aber es johlte und sang und schrie nicht für Raffael. Empfänger aller Ehrerbietungen war der, den der ablösen durfte. Gefeiert wurde Julian Draxler.

Julian Draxler war der Mann des Tages beim Schalker 4:1 in Wolfsburg. Zwei Tore schoss er selbst, ein drittes bereitete er vor, und als er gefragt wurde, ob das denn sein bestes Spiel für Schalke gewesen sei, antwortete Draxler: „Definitiv ja, das kann ich so unterschreiben!“ Dazu muss man wissen, dass Julian Draxler zwar erst 19 Jahre alt ist, aber schon seit elf Jahren für Schalke spielt. Er hält die Rekorde als jüngster Spieler der Schalker Bundesligageschichte, jüngster Torschütze in der Champions League und in einem DFB-Pokalfinale, mit 18 bestritt er sein erstes Länderspiel.

Auf der Fahrt nach Wolfsburg hat er sich auf DVD die schönsten Tore seines Idols Raúl angeschaut. Der Spanier Raúl war bis zum vergangenen Sommer die Schalker Nummer 10, der Mann im Zentrum hinter den Stürmern, ausgestattet mit allen Befugnissen und einer gewissen Freiheit, was die Defensivarbeit betrifft. Julian Draxler hat fast sein ganzes Fußballspielerleben als Nummer 10 verbracht und lässt keine Gelegenheit aus, diesen Anspruch auch bei den Profis zu erheben. Und doch musste er sich erstmal hinten anstellen. Erst hinter Raúl. Nach dessen Abschied war Lewis Holtby gesetzt. Und als sich im Winter dessen Abschied nach Tottenham abzeichnete, verpflichtete Schalke Raffael.

Es lag wohl vor allem an Raffaels Anpassungsproblemen, dass Draxler in den vergangenen Wochen öfter mal auf seiner Lieblingsposition spielen durfte. „In den letzten Wochen hat er auf der Position nicht immer Torgefahr ausgestrahlt“, sagte Trainer Jens Keller allerdings. Dann kam Wolfsburg und für Draxler die Gelegenheit, endlich einmal in komprimierter Form sein Talent zu demonstrieren.

Da waren: Dieses Tor zum 1:0, als Draxler nach einem Pass von Marco Höger den Ball mit der rechten Stiefelspitze anhob, um ihn mit der nächsten Fußbewegung ins Tor zu jagen. Der Antritt vorbei an Torhüter Diego Benaglio, als allein der Pfosten ein frühes zweites Tor verhinderte. Das Dribbling vor dem 2:1, mit dem Draxler zwei Wolfsburger ausspielte, zwei weitere ins Leere laufen ließ und dann mit links traf. Der kluge und uneigennützige Pass auf Jefferson Farfan, den dieser zum dritten Schalker Tor nutzte. Wäre schon schön gewesen, selbst ein drittes Tor zu erzielen, sagte Draxler, „aber ich musste dem Jeff einfach mal einen auflegen, er hat mir auch schon so viele aufgelegt“. Trainer Keller wählte zur Charakterisierung von Draxlers Leistung das eher selten verwendete Kompliment „Weltklasse“. Draxler entgegnete, er habe nun hoffentlich allein Kritikern gezeigt, „dass ich auf dieser Position wichtig sein kann“. Manager Horst Heldt verwies vorsichtshalber schon mal darauf, dass der Hochbegabte bei eventuellen Anfragen internationaler Topklubs nicht zur Verfügung stehe.

Und Raffael? Saß draußen auf der Bank, applaudierte brav und klatschte Draxler ab, als er ab Minute 89 auch noch ein bisschen mitmachen durfte. Seit dem Umzug aus Kiew durfte der Brasilianer in sechs Spielen insgesamt 97 Minuten spielen, für das Champions-League-Spiel in einer Woche gegen Galatasaray Istanbul ist er gesperrt. Eigentlich wollte Raffael eh lieber nach Mönchengladbach zu seinem alten Trainer Lucien Favre, aber das ist eine andere Geschichte.

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