Sport : Drazan Tomic: Er hatte eine Chance

Benedikt Voigt

In diesem Jahr entsteht bei der Weihnachtsfeier der Familie Tomic eine kuriose Situation. Weil die Mutter von Drazan Tomic am ersten Weihnachtsfeiertag den Freundeskreis ihres Sohnes zum Essen einlädt, kommen stets einige Spieler von Alba Berlin und Emir Mutapcic, mit dem Tomic noch beim TuS Lichterfelde zusammengespielt hat. In diesem Jahr sind die Rollen auf dieser Feier neu verteilt. Mutapcic erscheint als Alba-Trainer, während Drazan Tomic um einen neuen Vertrag bei eben diesem Klub kämpft. Wird das die Feier belasten? Mutapcic sagt: "Ich denke in diesem Moment nicht darüber nach."

Der Zweimonatsvertrag von Drazan Tomic läuft Ende Dezember aus, weshalb das heutige Suproleague-Spiel gegen Slask Wroclaw (20.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) die letzte Partie des 26-Jährigen im Alba-Dress sein könnte. Tomic war nach den Verletzungen von Stefano Garris und Jörg Lütcke zum Team gestoßen. "Natürlich wäre es angenehm, wenn ich bei Alba bleiben könnte", sagt Tomic. Laut Manager Carsten Kerner stehen die Chancen des Flügelspielers allerdings nicht so gut. "Es gibt erst mal keinen Grund für eine Änderung", erklärt Kerner. Im Januar wird Alba Berlin wieder auf die Stefano Garris und Jörg Lütcke zurückgreifen können. "Uns ist wenig geholfen, wenn wir auf einer Position sechs Leute haben", findet Kerner.

Finanziell wäre wohl noch Platz für eine Verpflichtung bis Saisonende. Doch für Kerner stellt sich die Gehaltsfrage nicht. "Das ist eine sportliche Entscheidung", sagt der Manager. Zwischen Weihnachten und Neujahr will er sich mit den beiden Trainern zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen. Für Mutapcic ist die Vertragsverlängerung seines Dreipunktespezialisten kein Thema. "Drazan Tomic muss sich auf das Spiel gegen Wroclaw konzentrieren", sagt der Coach, "das andere machen wir nach Weihnachten." Doch der deutsche Nationalspieler würde die Situation gerne früher klären. "Am liebsten gleich am Freitag", sagt Tomic, "ich möchte nicht so lange in der Luft hängen."

Tomic kennt auch ein paar Argumente, die für eine Weiterverpflichtung sprechen würden. "Es ist die Frage, wie schnell Jörg Lütcke wieder fit wird und was Stefano Garris leisten kann?", analysiert der Distanzschütze. Außerdem sagt er: "Ich bin erfahrener als Garris." In drei Suproleague-Spielen kam er auf durchschnittlich 6,7 Punkte und einen Rebound.

Mit der Leistung von Drazan Tomic ist man bei Alba zufrieden. "Wir haben keine Wunder von ihm erwartet", sagt Kerner, "aber er hat uns in wichtigen Phasen geholfen." Vor allem erinnert der Manager an Tomics Dreipunktewürfe im Suproleague-Spiel gegen Moskau oder beim Auswärtssieg in der Bundesliga in Leverkusen. Auch Trainer Mutapcic äußert sich zufrieden: "Er ist auf den richtigen Weg gekommen." Tomic hatte bis Anfang November keinen Vertrag und hielt sich beim Zweitligisten TuS Lichterfelde fit. Alba Berlin kommt das Verdienst zu, ihn wieder in Wettkampfform gebracht zu haben. "Er hatte eine Chance zu spielen und konnte sich zeigen", sagt Kerner. Der Coach ergänzt, dass Tomic seine eigenen Probleme gehabt habe, ohne darauf genauer eingehen zu wollen.

Momentan hat Tomic jedenfalls die Schwierigkeit, einen Verein zu finden. "Wenn es bei Alba nicht klappt, habe ich auch andere Klubs im Visier", sagt der Berliner. Eine kleine Argumentationshilfe wäre, wenn er heute gegen den starken polnischen Suproleague-Vertreter Slask Wroclaw ein gutes Spiel machen würde. Doch Tomic weiß: "Alba denkt langfristig." Selbst 20 Punkte gegen Slask Wroclaw würden daran nichts ändern. Kerner sagt: "Wir wissen, was er kann und was er nicht kann." Bleibt die Frage, ob das für einen neuen Vertrag reicht.

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