Sport : Drei Elfer, drei Tore

Ronaldo führt Brasilien zum 3:1 gegen Argentinien

Frank Kohl[Rio de Janeiro]

Es klingt unglaublich und auch ein bisschen nach Verschwörung. Doch es ist alles mit rechten Dingen zugegangen beim Fußball-Klassiker in Südamerika zwischen Brasilien und Argentinien. 3:1 hat Brasilien vor 50 000 Zuschauern in Belo Horizonte gewonnen durch drei Tore von Ronaldo – drei Tore per Elfmeter. So war es zwar kein technisch hochwertiges Spiel am sechsten Spieltag der WM-Qualifikation in der Südamerika-Gruppe. Aber ein besonders kurioses.

Alle drei Tore erzielte Ronaldo, der nach elf Jahren wieder an den Ort zurückkehrte, an dem er seine fußballerische Karriere begann. Alle drei Tore erzielte er per Foulelfmeter – nach drei Fouls, die alle an ihm begangen worden waren. In der 16. Minute verwandelte Ronaldo zum 1:0, aber erst in der vom Schiedsrichter angeordneten Wiederholung, weil ein brasilianischer Mitspieler beim ersten Versuch in den Strafraum gelaufen war. Den zweiten Strafstoß verwertete der Stürmer von Real Madrid in der 67. Minute. Sorin erzielte in der 79. Minute den Anschlusstreffer für die Argentinier, ehe Ronaldo in der Nachspielzeit den 3:1-Endstand herstellte.

Brasilien hat nun mit zwölf Punkten die Tabellenführung in der Südamerikagruppe vor Argentinien übernommen (11 Punkte). Es war für Argentinien die erste Niederlage in der WM-Qualifikation nach siebzehn Spielen. Für dieses „Spiel des Jahres“ hatte das brasilianische Parlament sogar wichtige Debatten verschoben. Das hat sich für die fußballinteressierten Abgeordneten auf jeden Fall gelohnt.

Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira sagte, er habe zwar „kein großes Spiel, aber einen exzellenten Sieg“ gesehen. Die drei Elfmeter fand er ungewöhnlich, aber berechtigt. Argentinien hatte besonders in der ersten Halbzeit wesentlich mehr Spielanteile. Und die Brasilianer offenbarten in ihrem Spiel große Lücken. So hatten sie den Sieg am Ende vor allem der Inspiration Ronaldos zu verdanken, den die argentinische Abwehr nur mit unfairen Mitteln vom Ball trennen konnte. Seine Tore erzielte er zwar nicht aus dem Spiel heraus, doch stand er jeweils nach sehenswerten Dribblings schon kurz vor dem Torabschluss. An der Berechtigung der Elfmeter hegte jedenfalls selbst Argentiniens Coach Marcelo Bielsa keinen Zweifel. Und über den dreifachen Torschützen sagte er: „Ronaldo hat den Unterschied ausgemacht. Er war der entscheidende Faktor.“

Die Wertschätzung dürfte Ronaldo auch deshalb gefreut haben, weil er vor dem Spiel wieder heftig kritisiert worden war: Er habe Übergewicht. Doch diese Diskussion wird nun an Intensität verlieren. Das will auch Trainer Parreira: „Ronaldo ist der weltweit beste Stürmer. Es gibt immer noch Leute, die ihn in Frage stellen. Aber er hat wieder einmal seine Weltklasse gezeigt.“ Ronaldo selbst hat nach eigenem Bekunden schon ein Mittel gegen seine Pölsterchen gefunden. Als er in den vergangenen Tagen mehrfach nach seinen Gewichtsproblemen gefragt worden war, entgegnete er: „Ich verliere meine Kilos beim Toreschießen.“

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