Sport : Drei Elfmeter und ein Tor

Spanien müht sich in einem turbulenten Spiel gegen Paraguay zu einem 1:0 und dürfte Deutschland damit nicht erschreckt haben

Geschichte wollten sie schreiben. Paraguay, das noch nie zu den besten vier Mannschaften einer Weltmeisterschaft gehörte, ebenso wie Spanien, dem dies zuletzt vor 60 Jahren gelungen war. Am Ende kamen die Spanier an ihr Ziel: Sie siegten durch ein spätes Tor von David Villa 1:0 (0:0) und treffen am Mittwoch im Halbfinale auf Deutschland.

In den 90 Minuten zuvor schien das große Ziel beide Mannschaften vor 55 359 Zuschauern im Johannesburger Ellis Park jedoch eher zu hemmen als zu beflügeln. Spaniens Trainer Vicente Del Bosque hatte im Vorfeld des Spiels von maximalem Respekt gesprochen, den sein Team vor Paraguay habe. Und davon, dass Paraguay in diesem Spiel nichts zu verlieren habe, so wie Stürmer Nelson Valdez verkündet hatte, war über lange Strecken nichts zu bemerken. Es kam also, wie es kommen musste: Wie schon die Achtelfinalpartien beider Mannschaften – Spanien gewann 1:0 gegen kompakt verteidigende Portugiesen, Paraguay entschied das wohl ereignisärmste Match dieser WM gegen Japan erst im Elfmeterschießen für sich – war auch dieser Abend lange Zeit von Langeweile geprägt.

Diego Maradona hatte nicht ganz unrecht gehabt, als er sagte: „Würden die Tore auf den Außenlinien stehen, gewänne Spanien jedes Spiel mit 10:1.“ Die Harmlosigkeit der Iberer, die der argentinische Trainer mit seinem ironischen Seitenhieb anmahnte – gepaart mit der Anerkennung einer zweifelsfrei hohen Kombinationssicherheit – schien sich auch in diesem Match zu bewahrheiten. Die Mannschaft von Vicente del Bosque lief zwar permanent mit elegantem One-Touch-Fußball gegen die massive Deckung Paraguays an, richtig zwingend waren ihre Offensivbemühungen dabei aber nur selten.

In der 57. Minute schien Schiedsrichter Carlos Batres aus Guatemala genug davon zu haben, wie sich auf dem Rasen zwei Teams gegenseitig neutralisierten. Nach einer Rangelei zwischen Spaniens Innenverteidiger Gerard Piqué, der Oscar Cardozo im Strafraum niederriss, gab der Referee Elfmeter. Der Gefoulte schoss selbst und Spaniens Torwart Iker Casillas konnte parieren. Im direkten Gegenzug stolperte David Villa im Rahmen eines Laufduells mit Antolin Alcazar im Sechzehner. Auch hier entschied der Unparteiische auf Strafstoß – Spaniens Schütze Xabi Alonso traf, doch einige Spieler waren zu früh in den Strafraum gelaufen. Bei der Wiederholung des Elfmeters scheitertete er an Keeper Justo Villar, Cesc Fabregas bot sich die Chance zum Nachschuss. Villar holte ihn von den Beinen, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb diesmal stumm.

In der 83. Minute hatte die unendliche Geschichte dann doch ein Ende. Nachdem Spanien in der Schlussphase seine Angriffsbemühungen sukzessive intensiviert hatte, gelang David Villa nach einem Pfostenabpraller sein fünfter Treffer bei dieser WM. Aufgrund der Passivität Paraguays war der Sieg letztlich verdient. Mehr nicht. Angesichts der überraschenden Harmlosigkeit von Spaniens Topstürmern, unter denen einzig Villa in der Lage scheint, sein Soll zu erfüllen, kann das Team von Joachim Löw dem Semifinale gelassen entgegen sehen.

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