Sport : Drei für die Nummer drei

Enke, Weidenfeller oder Rost könnten für Kahn in den WM-Kader nachrücken

Stefan Hermanns

Berlin - Robert Enke hat sich um den deutschen Fußball verdient gemacht, ohne allzu viel dafür tun zu müssen. Enke gehörte im Sommer 1999, mitten in der Saisonvorbereitung, zur Erich-Ribbeck- Reisegruppe, die sich beim Confed-Cup in Mexiko in nationalem Interesse demütigen lassen musste. Mit der Teilnahme wollte der Deutsche Fußball-Bund gute Stimmung für die Vergabe der WM 2006 machen. Irgendjemand hat Enke deshalb einmal erzählt, „dass ich jetzt ein wichtiger Mensch im deutschen Fußball bin, weil ich ja auch dazu beigetragen habe, dass die WM hierher kommt“.

Möglicherweise wird der 28 Jahre alte Torhüter von Hannover 96 bald auch aus einem anderen Grund wichtig sein. Enke hat gute Chancen, Mitte Mai für das deutsche WM-Aufgebot berufen zu werden. Sollte Oliver Kahn – was viele erwarten – davon absehen, als Nummer zwei Klinsmanns Kader anzugehören, zählt der Torhüter von Hannover 96 neben Frank Rost (Schalke 04) und Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund) zu den Kandidaten für den frei werdenden Platz.

„Die Frage, wer eventuell die Nummer drei wird, stellt sich im Moment nicht“, sagt Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Noch hat Oliver Kahn das erste Zugriffsrecht, und sein Münchner Vereinstrainer Felix Magath geht „davon aus, dass er als Nummer zwei mit zur WM fährt“. Bisher allerdings hat sich noch nie ein deutscher Torhüter, der bei einer Weltmeisterschaft die Nummer eins war, beim nächsten Turnier auf die Ersatzbank gesetzt.

Klinsmanns Trainerstab hat vor einigen Monaten sogar den Gedanken durchgespielt, für die WM nur zwei Torhüter zu nominieren, dafür aber einen zusätzlichen Feldspieler mitzunehmen. Diese Idee wurde allerdings als zu riskant verworfen. Auf jeden Fall aber müsste der Bundestrainer im Falle von Kahns Verzicht einen Torhüter berufen, mit dem er bisher noch nicht zusammengearbeitet hat. Frank Rost, 32 Jahre alt, hat immerhin unter Klinsmanns Vorgänger Rudi Völler schon viermal im Tor der Nationalelf gestanden, zuletzt allerdings im Juni 2003.

Der ehrgeizige Schalker hat den Ruf, seine Meinung sehr offensiv zu vertreten. Vom dritten Torhüter wird bei einem großen Turnier jedoch vor allem stille Loyalität erwartet. Diese Anforderung spricht auch gegen den 25 Jahre alten Weidenfeller, der aus der Torwartschule des Bodybuilders Gerald Ehrmann stammt und entsprechend viel Wert auf gutes Aussehen legt. Seit seinem Weggang aus Kaiserslautern hat Weidenfeller seinen Stil zwar etwas versachlicht, doch in seinem Ehrgeiz steht er Oliver Kahn kaum nach. Weidenfeller war es, der Jens Lehmann 2003 mehr oder weniger aus Dortmund nach London weggeekelt hat.

Enke hingegen gilt als eher still. Sein Spiel vereint die Stärken von Lehmann und Kahn. Er beherrscht seinen Strafraum sicher, verfügt aber auch über ausgezeichnete Reflexe. Vor ein paar Jahren noch wurde Enke als natürlicher Nachfolger von Oliver Kahn angesehen: Er hat schon in der U-15-Nationalmannschaft gespielt, mit 20 wurde er Stammtorhüter in der Bundesliga, anschließend aber nahm seine Karriere einige überraschende Wendungen. Als Enke 1999 für den Confed-Cup nominiert wurde, hatte er gerade das erste Jahr in der Bundesliga hinter sich. Den Abstieg von Borussia Mönchengladbach überstand der Torhüter weitgehend unbeschadet: Jupp Heynckes holte ihn zu Benfica Lissabon, später wechselte er sogar zum FC Barcelona. Weil Enke sich nicht durchsetzen konnte, ließ er sich an Fenerbahce Istanbul ausleihen. Dort aber bat Enke schon nach dem ersten Einsatz um die Auflösung seines Vertrags, weswegen er anschließend ein halbes Jahr arbeitslos war.

Wäre Enke bei der WM dabei, würde seine persönliche Geschichte vielleicht doch noch das einst prognostizierte Ende nehmen. Seine Nominierung wäre zumindest ein Hinweis darauf, wer sich nach der WM neben Timo Hildebrand Aussichten auf die Nachfolge von Kahn und Lehmann machen kann. Die Chance, als dritter deutscher Torwart bei der WM zum Einsatz zu kommen, ist hingegen gering. Bisher ist dies nur Heinrich Kwiatkowski gelungen, 1954 beim 3:8 gegen Ungarn. Die eigentliche Nummer zwei, Heinz Kubsch, hatte sich eine schwere Schulterverletzung zugezogen – beim Sprung von einer Kaimauer in ein Tretboot.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben