Sport : Drei gewinnt

Deutsche Biathletinnen feiern WM-Dreifachsieg

Helen Ruwald[Antholz]

Auf der letzten Runde kam es noch zum Duell des erfolgreichsten Doppelzimmers der Welt. Und die Biathletin Martina Glagow machte sich Sorgen, als sie beim letzten Anstieg des WM-Massenstartrennens über 12,5 Kilometer plötzlich ihre Freundin Andrea Henkel vor sich entdeckte. Schließlich hatte diese den Schießstand als Erste verlassen, Glagow war als Dritte zwar nur 7,4 Sekunden langsamer gewesen, doch ihr kam der Abstand größer vor. Die Russin Jekaterina Juriewa hatte sie „auf dem ersten Berg“ eingeholt, aber wieso war Andrea Henkel plötzlich so dicht vor ihr? Beide waren im Januar krank gewesen und hatten mehrere Rennen ausfallen lassen. Glagow hatte vier Wochen pausiert, Henkel zwei. Ging es Andrea etwa wieder schlechter?

Viel Zeit zum Grübeln hatte Martina Glagow gestern Nachmittag in Antholz freilich nicht. Sie zog vorbei – und bei der Abfahrt hatte Henkel ihre Kräfte wieder gefunden. Nun überholte sie die Freundin und fuhr wenig später unter dem Jubel der 22 000 Fans über die Ziellinie. Als Weltmeisterin, 4,6 Sekunden vor Martina Glagow. Die kleine Blonde mit der blauen Mütze (Glagow) und die etwas größere Dunkelhaarige mit der roten Mütze fielen sich um den Hals. Kurz danach durfte sie auch noch Kati Wilhelm knuddeln. Diese machte den erstmaligen Dreifachtriumph deutscher Frauen bei einer Weltmeisterschaft perfekt. In vier Rennen haben die deutschen Frauen nun dreimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze gewonnen und wieder einmal ihre Vormachtstellung demonstriert.

Am vergangenen Sonnabend hatten Henkel und Glagow noch Tränen der Rührung vergossen, als Magdalena Neuner als Weltmeisterin geehrt wurde. Beide wussten nach überstandener Krankheit noch nicht, wie stark sie eigentlich waren. Jetzt wissen sie es. Auch Kati Wilhelm war krank gewesen. Am Mittwoch hatte sie das Rennen mit Magenproblemen abgebrochen, gestern gewann die Olympiasiegerin von Turin ihre erste Medaille bei dieser WM. Dabei profitierte sie auch davon, dass am Samstagmorgen um vier Uhr Anna Carin Olofsson ihrerseits mit Magenproblemen aufwachte und nicht antrat. Olofsson hat in Antholz bereits Gold, Silber und Bronze geholt.

Den drei Deutschen kam auch ihre Nervenstärke am Schießstand zu gute. Bei der letzten von vier Schießübungen blieben sie alle fehlerfrei. Henkel, die nach dem dritten Schießen noch Fünfte gewesen war, übernahm die Führung, Wilhelm rückte vom siebten auf den fünften Platz vor, Glagow blieb Dritte. Sie hatte kein gutes Gefühl. „Ich habe hinter mir Natalia Gusewa gesehen und dachte, oh Gott, nicht Platz vier oder fünf.“ Gusewa hatte ihre Klasse in Südtirol mit einem dritten und zwei vierten Plätzen bewiesen. Auch Kati Wilhelm fürchtete sich vor der Russin, „gegen sie habe ich beim Weltcup in Hochfilzen in der Staffel die Schlussrunde verloren.“ Deswegen „habe ich Gas gegeben“. Mit der schnellsten Laufzeit auf der letzten Runde hängte sie Gusewa ab.

Es hätte sogar ein Vierfachtriumph für die deutsche Mannschaft werden können. Doppel-Weltmeisterin Magdalena Neuner war in der Loipe die Schnellste, doch nach sieben Schießfehlern kam sie als Vierzehnte ins Ziel. Bei den Laufzeiten belegten die Deutschen die ersten vier Ränge. Heute tritt das Quartett gemeinsam in der Staffel an. Der Favoriten-Druck stört Andrea Henkel nicht. „Wir sind seit Jahren Favorit“, sagte sie lachend, „und haben es nicht geschafft.“ In Turin gewannen die Deutschen Silber, bei den letzten beiden Weltmeisterschaften einmal Silber, einmal Bronze. Heute soll es endlich Gold werden.

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