Sport : Drei Männer und zwei Sitze

Nick Heidfeld oder Robert Kubica – wer räumt seinen Platz, falls Fernando Alonso zu BMW wechselt?

Wann immer ein BMW-Fahrer derzeit in den Rückspiegel schaut, kann er Fernando Alonso darin erblicken. Das gilt momentan nicht nur auf der Strecke: Der zweimalige Weltmeister, derzeit mit der Leistung seines Renault alles andere als glücklich, ist auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Medienberichten zufolge soll der Spanier bereits einen Drei-Jahres-Vertrag bei BMW-Sauber unterschrieben haben. Das würde für die derzeitigen Piloten der Weiß-Blauen, Nick Heidfeld und Robert Kubica, eine Art Reise nach Jerusalem nach sich ziehen: Einer stünde am Ende ohne Fahrersitz da.

Als erster Wackelkandidat gilt der Deutsche. Nick Heidfeld, mit großen Ambitionen in die Saison gestartet, kam zwar mehrmals als Zweiter aufs Siegerpodest, zuletzt beim Rennen am vergangenen Wochenende in Belgien. Doch weil er große Probleme damit hat, seine Reifen auf Betriebstemperatur zu bringen, ist ihm sein Kollege Kubica meist davon gerast – der Pole war es auch, der in Montreal den ersten Sieg für das junge Team einfuhr.

Trotzdem gibt sich Heidfeld viel selbstbewusster als noch vor einigen Wochen. Seit dem Rennen in Spa fühle er sich „viel besser“: „Es hat von Anfang bis Ende gut funktioniert. Ich habe im Qualifying und im Rennen das Maximum herausgeholt.“ Der Mönchengladbacher ist ungeachtet seines auslaufenden Vertrags zuversichtlich, dass er eine Zukunft bei BMW hat. Er sei zwar natürlich mit den Problemen in dieser Saison nicht zufrieden, „ich bin aber sehr zufrieden damit, wie ich mit dieser schwierigen Situation umgegangen bin“. Er habe wenig Fehler gemacht und stünde in der Meisterschaft gut da: „Wenn man das Krisengerede so hört, müsste man meinen, ich hätte nur 10 WM- Punkte. Aber es gibt nicht viele Fahrer, die in den letzten Monaten bessere Ergebnisse eingefahren haben als ich.“ Der 31-Jährige ist überzeugt davon, dass das intern auch anerkannt wird. „BMW-Sauber und Mario Theissen schätzen die Situation zum Glück objektiv ein“, sagt er. Über den herannahenden Alonso jedenfalls will er sich „nicht den Kopf zerbrechen. Das lohnt sich nicht.“

Auf der anderen Seite steht Robert Kubica. Der Pole fährt seit Spa eine etwas merkwürdige Strategie seinem eigenen Team gegenüber. Dort unterstellte er BMW-Sauber direkt nach dem Rennen erst einmal, man habe ihm absichtlich seinen Boxenstopp vermurkst. Vor dem Grand Prix von Italien in Monza legte Kubica noch einmal nach und schimpfte, er sei wohl der einzige, der bei BMW noch an die Möglichkeit des WM-Titels glaube, er bekomme dafür aber viel zu wenig Unterstützung. Theissen, der sehr viel Wert auf Teamplay legt, dürfte das nicht gefallen haben. Er will jedenfalls mit dem Polen über dessen Äußerungen reden: „Davon können Sie aber ausgehen.“

Der Hintergrund dürfte sein, dass Kubica nicht glücklich mit seinem Gehalt ist. Sollte BMW die Option auf ihn am Ende der Saison ziehen, wird er dort auch nächstes Jahr wohl deutlich weniger verdienen als andere Top-Fahrer. Nun gibt es Gerüchte, wonach Kubica es darauf anlegt, sich bei BMW unbeliebt zu machen, um etwa bei Alonsos Team Renault mehr Geld zu verdienen. Oder weil er vielleicht doch eine Chance sieht, dass sich für ihn bei Ferrari durch einen Rücktritt von Weltmeister Kimi Räikkönen noch eine Tür auftut, selbst wenn die Italiener nun die Vertragsverlängerung mit dem Finnen bis 2010 verkündeten (siehe Kasten).

Klarheit über die Personalsituation wird es wohl erst in einigen Wochen geben. Theissen dementierte eine angebliche Bekanntgabe des Fahrerpaars bereits am Montag jedenfalls genauso deutlich wie er klarmachte, dass Heidfeld mit weiteren guten Leistungen seinen Platz sehr wohl sichern könne: „Schließlich haben wir die Fahrerentscheidung nicht umsonst weiter nach hinten geschoben.“ Es scheint nicht völlig ausgeschlossen, dass den Tanz um die BMW-Sitze in der kommenden Saison am Ende Alonso und Heidfeld gewinnen könnten.

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