Sport : Drei mal drei

Olaf Dorow

Drei Spieler haben am 9. Spieltag der Fußball-Bundesliga jeweils drei Tore in einem Spiel erzielt. Wie haben sie das gemacht? Wie haben sie sich dabei gefühlt? Drei Porträts:

Miroslav Klose,

Werder Bremen

Ist Miroslav Klose der Gewinner der Woche? Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs sagt: Ja. „Er hat alles richtig gemacht.“ Wegen einer Grippe fehlte Klose beim blamablen Auftritt der Nationalmannschaft am Mittwoch gegen China – und schoss dafür für Werder in der Bundesliga beim 6:2 gegen den 1. FC Nürnberg drei Tore in einer Halbzeit. „Ich bin dreimal angeschossen worden“, sagte Klose hinterher bescheiden. Dabei hatte er Besonderes vollbracht: Zweimal hatte er listig den von den Nürnbergern sicher geglaubten Ball ins Tor geschoben, einmal behielt er bei vollem Tempo die Kontrolle über Ball, Torwart und sich selbst. „Das war Weltklasse“, lobte Kollege Torsten Frings. Mitspieler Frank Baumann adelte ihn zum „besten Stürmer der Bundesliga“. Der Stürmer selbst freute sich vor allem darüber, dass er Mitte der Woche Bundestrainer Jürgen Klinsmann abgesagt hatte. Dabei wollte er unbedingt gegen China auflaufen, aber seine Beine waren matt. „Da hätte man nicht den wahren Klose gesehen“, sagte er am Samstag. Bei seiner letzten Grippe hatte sich Klose zu früh zurückgemeldet – und schlecht gespielt. Gute Stürmer müssen auch lernfähig sein.

Ebi Smolarek,

Borussia Dortmund

Bei diesem Mann scheint in diesen Tagen nur eines schwierig zu sein: der Vorname. Der lautet Euzebiusz. Weil das vielen zu kompliziert erscheint, wird Euzebiusz Smolarek kurz „Ebi“ genannt. Den Spitznamen gab ihm sein Vater, der Wlodzimierz mit Vornamen heißt. Von dem erbte Euzebiusz auch das Talent. Vater Smolarek wurde mit der polnischen Nationalmannschaft 1982 WM-Dritter. Er spielte auch zwei Jahre bei Eintracht Frankfurt; in 63 Spielen schoss er 13 Tore. Sein Sohn folgt nun diesen Spuren. Beim 3:3 seines Klubs Borussia Dortmund in Kaiserslautern hätte er mit drei Treffern in nur 40 Minuten alleiniger Star werden können, wenn Halil Altintop nicht dreimal für den Gegner getroffen hätte. Dass Smolarek so erfolgreich war, lag vor allem an seinen Fähigkeiten (er hat schon acht Saisontore erzielt), aber auch an der schlechten Lauterer Abwehr. Zuerst legte ihm Timo Wenzel den Ball drei Meter vor dem Tor vor die Füße. Dann patzte Lucien Mettomo, was Smolarek wieder kühl ausnutzte. Zum Jubeln lief er vor den Fanblock des BVB und salutierte mit strahlendem Gesicht. Schließlich boxte FCK-Torwart Jürgen Macho einen abgefälschten Schuss von Lars Ricken an die Latte, Smolarek köpfte den ins Feld zurückspringenden Ball ins Tor. Nach dem Spiel sagte er: „Ich kann mich nicht freuen. Wir lagen vorne und hätten gewinnen müssen.“ Siege sind eben wichtiger als Tore. Oliver Trust

Halil Altintop,

1. FC Kaiserslautern

„Nee, nee“, sagte Halil Altintop. „Er soll das kriegen.“ Es ging um eine Trophäe, die ein Fernsehsender für den „Matchwinner“ ausgibt. Nachdem sowohl Smolarek als auch Altintop drei Tore erzielt hatten, fiel die Wahl schwerer als sonst. „Ich habe das schon ein paarmal bekommen“, sagte Altintop, nachdem er Dortmunds 3:1-Führung ausgeglichen hatte, und gab die Trophäe weiter. „Es motiviert mich, wenn wir Tore kassieren“, erklärte Altintop seinen Sturmdrang. Schon beim 5:3 über Duisburg hatte er dreimal getroffen. Der 22 Jahre alte Türke hat jetzt zehn Treffer erzielt – mit Klose führt er die Torjägerliste an. „In den letzten beiden Wochen war ich richtig gut“, sagte der türkische Nationalspieler. Gegen Deutschland schoss er beim 2:1-Sieg ein Tor. „Nüchtern betrachtet ist das alles eine Nummer zu groß“, sagte FCK-Chef Rene C. Jäggi – und bezog das wohl auf den Verein. Auf die Frage, ob sich seine Tore finanziell lohnen werden, antwortete Altintop: „Das will ich hoffen.“ In der Pfalz aber haben sie kein Geld. Gute Stürmer sind begehrt, nicht nur im eigenen Verein. Oliver Trust

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