Sport : Drei meisterliche Minuten

Der VfB Stuttgart lässt den SC Freiburg beim 4:1 nur eine Stunde lang mitspielen

Oliver Trust

Stuttgart. Volker Finke hatte eine Stunde lang im Akkord geschimpft. Doch dann setzte sich der Freiburger Trainer urplötzlich vom Frust wie gelähmt auf seinen roten Schalensitz. 194 Sekunden waren es, die das baden-württembergische Derby zu einer schmerzvollen Erfahrung für den SC Freiburg werden ließen. Es stand 1:1 als der zuvor verwarnte Freiburger Andreas Zeyer nach einem Foul am Stuttgarter Andreas Hinkel mit Gelb-Rot vom Feld musste. Regelrecht auseinander gebrochen ist die Freiburger Mannschaft nach dieser 59. Minute. Knappe drei Minuten später leuchtete die 4:1-Führung des VfB Stuttgart auf der Videotafel des Gottlieb-Daimler-Stadions. Es war ein Ergebnis, welches die Schwaben zumindest bis zum Sonntag wieder an die Tabellenspitze brachte.

Darüber war Felix Magath natürlich nicht böse. „Wir haben eine Viertelstunde Klassefußball gespielt“, sagte Stuttgarts Trainer. Der Torwart des Gegners wusste unterdessen, warum der Stuttgarter Erfolg schließlich so deutlich ausgefallen war. Ohne Zeyer lief nichts mehr bei den Freiburgern, stellte Richard Golz fest: „In Unterzahl haben wir die Orientierung verloren.“

Den Toren von Kuranyi folgte der Ausgleich durch Coulibalys Elfmeter, der nach einem Foul von Timo Hildebrand an Bruno Berner den Ball ins Netz hämmerte. Die taktisch ordentlich operierenden Freiburger sahen sich auf dem richtigen Weg, beim etwas unsicheren VfB Stuttgart einen Punkt zu ergattern. Doch dann musste Zeyer vom Feld, Magath brachte mit Amanatidis einen dritten Stürmer, und nun spielten nur noch die Schwaben. Binnen drei Minuten trafen Christian Tiffert, Alexander Hleb und schließlich Kevin Kuranyi.

Finke gab danach Ruhe. Zuvor war Freiburgs Trainer meckernder Dauergast an der Seitenlinie gewesen und hatte sich über so ziemlich jede Entscheidung von Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) beschwert. Auch über den berechtigt erscheinenden Platzverweis für Zeyer. „Er hat sich unprofessionell verhalten“, sagte Finke. Der Rest lief „wie ein Film in zu schnellem Tempo“ vor Finke ab. Er müsse sich das noch einmal im Fernsehen anschauen, sagte er. „Das ging wirklich schnell, so schnell konnten wir auf das Gelb-Rot für Zeyer gar nicht reagieren.“

Derweil machten sich die Sieger aus Stuttgart Gedanken darüber, wie sie in den nächsten Wochen ohne ihren Abwehrchef Marcelo Bordon klarkommen. Der Brasilianer muss sich nächste Woche wegen Leistenproblemen operieren lassen und fällt für den Rest der Vorrunde aus. Das allerdings irritiert Magath nicht. „Wenn Bordons Vertreter Timo Wenzel seine Form hält, kommen wir gut zurecht“, sagt der Stuttgarter Trainer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben