Sport : Drei Milliarden als Trost

Leo Kirchs Rückkehr als Zwischenhändler der Bundesligafernsehrechte erfreut nicht alle Klubs

Claus Vetter

Berlin - Sie haben am Dienstagabend die Rückkehr des Leo Kirch auf die Fußballbühne beschlossen, trotzdem sind am Tag danach nicht alle Vertreter der 36 deutschen Klubs der ersten und zweiten Bundesliga darüber begeistert. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus, am negativsten bei Bernd Hoffmann. Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV hatte bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) als einziger gegen die Vergabe der Fernsehvermarktung an Leo Kirchs Firma Sirius gestimmt. „Die Entscheidung wurde mit unnötigem Zeitdruck erzwungen“, sagt Hoffmann. „Die vorgelegten Bedingungen haben mich nicht überzeugt.“

Doch die Mehrheit hat sich entschlossen, wieder mit dem Medienunternehmer zusammenzuarbeiten. Die DFL hat Kirch als Zwischenhändler ab 2009 für die nächsten zwei Rechteperioden der Bundesliga engagiert. Diese Zeiträume dauern insgesamt sechs Jahre. Eine Bankbürgschaft sichert der DFL Lizenzgebühren von mindestens drei Milliarden Euro. Kirch kündigte indes  eine offene Versteigerung der Bundesliga-Rechte an. „Das ist absolut offen. Es gibt keine Vorabsprachen“, sagte ein Kirch-Sprecher. „Jeder kann, jeder darf mitbieten.“

Doch die Vita des nunmehr bald 81 Jahre alten Kirchs scheint nicht allen zu gefallen. Im April 2002 musste die Kirch Media AG einen Insolvenzantrag stellen, damit stürzte der Rechteinhaber die Bundesliga in eine Krise. Das hat beim Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, Wolfgang Holzhäuser, „ein schales Gefühl“ hinterlassen. Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kann Reaktionen wie die von seinem Hamburger Kollegen Hoffmann nicht verstehen, sagte er dem Tagesspiegel: „Ich halte nichts davon, Leo Kirch zu verteufeln. Die Bankbürgschaft war ein K.o.-Kriterium. Es ist keine Frage, dass wir dadurch eine deutliche Risikominimierung haben.“ Zudem sei doch nun „deutlich mehr Dynamik und damit mehr Geld“ im Spiel. Durch die von Kirch garantierte Summe von jährlich 500 Millionen Euro erhöhen sich die Fernseheinnahmen für die 36 Profiklubs um 20 Prozent. Bislang kassiert die Liga pro Saison 420 Millionen Euro. Stefan Ziffzer, Watzkes Kollege vom Zweitligisten 1860 München, einst Sanierer beim Deutschen Sportfernsehen, sagte dem Tagesspiegel: „Unter der Voraussetzung, dass der Vertragspartner sechs Jahre im Geschäft bleibt, hat man eine gewisse Sicherheit.“ Ob das im Falle Kirch passiere, könne er nicht sagen. „Ich kann nicht in die Kristallkugel sehen.“

Für Proteste sorgt die DFL-Ankündigung, mit Kirch eine Produktionsgesellschaft zu gründen, um die Übertragungen der Spiele künftig selbst zu produzieren. Der Deutsche Journalisten-Verband und der bislang live übertragende Bezahlsender Premiere sehen die journalistische Unabhängigkeit gefährdet. Künftig könnten unliebsame Spielszenen unterdrückt werden. Watzke und Ziffzer halten diese Ängste für unberechtigt, Ziffzer sagt: „Schon jetzt müssen alle Sender mit einem Basissignal umgehen, die Grundpfeiler sind schon jetzt bei Übertragungen die gleichen.“ Sogenannte „Ergänzungssbilder“ durch zusätzliche Kameras der einzelnen Sender werde es auch künftig geben. So viel ändere sich gar nicht. Die Kommentare zu den Bildern spreche schließlich immer noch jeder Sender selbst. „Der Markt bleibt gleich, die Spieler sind dieselben“, sagt Ziffzer.

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